Mit himmlischer Hilfe

Das ist bestimmt fast jedem Hundebesitzer schon mal passiert. Jetzt heißt es warten, suchen und hoffen, dass nichts passiert. Egal ob Jagd-Gebrauchshund, Sporthund oder Couch-Bewohner, immer mehr Hundeeltern statten ihre vierbeinigen Familienmitglieder mit High-tech aus. Mit Hilfe von Satellit, Funk und Handynetz lässt sich die Position des Hundes im Notfall jederzeit orten – ein beruhigendes Gefühl. 

 

Der Blick zum Himmel

Die Hundeortung fängt heute in den meisten Fällen mit einem Blick zum Himmel an. Über unseren Köpfen kreisen in einer Höhe von rund 20.000 km die US-amerikanischen NAVSTAR-Satelliten, die uns das GPS-Signal zur Verfügung stellen. Jeder Satellit ist mit einer Präzisionsuhr ausgestattet. Er sendet ständig seine Kennung – sozusagen seinen Namen – und die genaue Uhrzeit zur Erde. Je weiter ein Satellit von der aktuellen Position des Empfängers entfernt ist, desto länger braucht das Funksignal, um zum Empfänger zu kommen. 

Der GPS-Empfänger benötigt mindestens drei unterschiedliche Signale, um aus denempfangenen Daten und den sich nur minimal unterscheidenden Uhrzeiten eine Position zu errechnen. Je mehr Satelliten dem GPS-Empfänger zur Verfügung stehen, desto genauer wird das Signal. Es lässt sich leicht vorstellen, wie kompliziert die Errechnung einer Position aus diesen Signalen ist. Diese komplexe Berechnung benötigt relativ viel Energie. Daher sind für GPS-Geräte leistungsstarke Akkus ein Muss. Das setzt der Miniaturisierung von Ortungsgeräten eine gewisse Grenze.

Das NAVSTAR-System aus den USA hat übrigens zwei Wettbewerber. Einige Geräte auf dem Markt nutzen zur Positionsermittlung zusätzlich das russische GLONASS-System. Noch im Aufbau befindet sich GALILEO, das von der Europäischen Union betrieben wird und für die Zukunft einige Vorteile bringen soll. Aktuell spielt das EU-System allerdings noch keine wirkliche Rolle. Unsere Auto-Navis verlassen sich genauso wie Hunde-Ortungssysteme in der Regel auf das amerikanische GPS-System.

* Der Weg der Information

Dank „himmlischer Hilfe“ kennt der GPS-Empfänger am Hundehals nun seine eigene Position. Bleibt nur die Frage, wie diese Information vom Hund zu Herrchen oder Frauchen kommt. Hier gibt es auf dem Markt zwei Wege: Die Nutzung des Mobilfunknetzes oder die direkte Funk-Kommunikation zwischen Hundehalsband und Handgerät.

Pro und Contra beider Systeme liegen auf der Hand. Bei der Nutzung des Mobilfunknetzes braucht sich der Hundeführer keine Gedanken mehr zum Thema Reichweite zu machen. Es gibt praktisch keine Grenze. Ob sich der Hund einen, hundert oder tausende Kilometer entfernt befindet, spielt keine Rolle. T-Mobile und Co. transportieren die Informationen bei Bedarf auch einmal rund um den Globus. Die Grenzen liegen hier an einer anderen Stelle: An der Netzabdeckung in wenig bewohnten Gebieten. Im Stadtwald sollte eine stabile Handy-Versorgung kein Problem sein. In ländlichen Gebieten kann das schon ganz anders aussehen. In Deutschland sind wir noch weit von einer Netzabdeckung von 100% in der Fläche entfernt. Liegt der Hund im schlimmsten Fall verletzt in einem Funkloch, gibt es keinen Plan B. Die Position kann nicht übermittelt werden. 

Anders sieht es bei Geräten aus, die ihre Position direkt per Funk versenden. Diese Geräte werden aufgrund ihres höheren Anschaffungspreises meist von Jägern oder bei der Rettungshundearbeit eingesetzt. Ein Handgerät empfängt die Information vom Halsband direkt. Es ist kein Handynetz erforderlich. Der Vorteil ist offensichtlich: Selbst im unbewohntesten Gebiet „in der Pampa“ kann die Information empfangen werden. Allerdings hat diese Autarkie auch ihre Nachteile. Die Reichweite ist immer begrenzt. Je nach Hersteller wird mit technisch möglichen Reichweiten von zwölf Kilometern und mehr geworben. In der Praxis sieht das ganz anders aus. In schwierigem Gelände kann schon nach zwei bis drei Kilometern Schluss sein. Außerdem kostet der direkte Funk zwar keine Handygebühren, dafür aber gehörig Energie. Die Sendehalsbänder der Funk-Systeme sind auch nichts für kleine Hunderassen.

* Was für wen?

Für den Alltagsgebrauch sind die handybasierten Systeme sicher die erste Wahl. Sie sind günstig in der Anschaffung, klein und einfach zu nutzen. Funk-Ortungsgeräte findet man wie erwähnt eher bei Profis wie Jägern, die sich auch in unwegsamen Gelände bewegen. Diese Anwender kombinieren teils beide Techniken miteinander. Was spricht dagegen, an das Funk-Ortungshalsband ein günstiges und kleines Gerät auf Handybasis anzuclipsen? Einfache Geräte, wie z.B. das Tractive GPS, wiegen weniger als 30 g und sind für unter 50 Euro zu haben. Die mobilfunkbasierten Geräte helfen dabei, das grobe Gebiet des verloren gegangenen Hundes einzugrenzen. Dort angekommen spielt dann die Funk-Technik von Geräten, wie Garmin Astro oder Dogtra Pathfinder ihre Stärken aus. 

* Geräte auf Funk-Basis

Der Platzhirsch in deutschen Jagdrevieren und im Rettungshundewesen ist das System von Garmin. Die Geräte der Garmin Atemos-Serie und das neue Alpha 200i Knutzen eine anmeldefreie Frequenz, die fast überall in Europa verwendet werden darf. Als Halsbänder gibt es im Moment das Modell K5 und bei manchen Händlern das KT 15. Letzgenanntes hat eine integrierte Ferntrainer-Funktion.
Relativ neu ist das Handgeät Alpha 200iK auf den Markt gekommen. Es ergänzt die Modelle Atemos 50 und Atmeos 100 nach oben.
Das Display des Alpha 200iK ist größer und weniger stoßempfindlich. Außerdem wird dieses Modell mit sehr brauchbaren Karten ausgeliefert. Ein Nachinstallieren von topographischen Karten entfällt. 
Zusätzlich hat das Alpha 200iK noch die inReach-Technologie von Garmin verbaut. Ein passendes Abo vorausgesetzt kann das Alpha 200iK im Notfall über das Iridium-Satellitennetz Hilfe über eine Rettungszentrale herbeirufen. inReach hat nichts mit der Hundeortung zu tun. Die Kommunikation zwischen Halsband und Handgerät erfolgt weiterhin per Funk.

 

Inzwischen auch sehr beliebt ist das Dogtra Pathfinder. Dieses Gerät auf Funk-Basis ist mit 500 Euro ein ernstzunehmender Konkurrent zum Garmin. Der deutlich günstigere Preis wird durch einen cleveren Kniff realisiert. Als Bedienteil und Bildschirm dient das eigene Smartphone. Eine Mobilfunkversorgung ist nicht erforderlich. Karten können bei Bedarf vorab auf dem Handy gespeichert werden. In Sachen Verarbeitung und Reichweite spielt das Pathfinder in einer Liga mit dem Platzhirsch Garmin.

Die Bedienung über das Smartphone ist etwas gewöhnungsbedürftig, geht aber dann schnell von der Hand. Die Trennung von Empfangsantenne und Display (also Handy) hat in der Praxis einen enormen Vorteil. Bei schwierigem Gelände oder schlechtem Empfang lässt sich die Empfangsantenne z.B. auf einem Stab befestigen und damit für einen besseren Empfang nach oben halten. Die Blue-tooth-Verbindung zwischen Empfangsteil und Smartphone sorgt hier für eine ganz neue Bewegungsfreiheit. Das verwendete Smartphone sollte allerdings nicht zu alt sein. Zuverlässig funktioniert die Software des Pathfinder nur bei aktuelleren Geräten. Erfreulich: Dogtra ergänzt per App-Update die Funktion des Pathfinder immer wieder mit interessanten Zusatzfunktionen, wie einem virtuellen Zaun, der den Hundeführer warnt, sobald der Hund sich zu weit von ihm entfernt.

Update 1/2021
Das beliebte Dogtra Pahtfinder hat zwischenzeitlich einen ernstzunehmenden Mitbewerber bekommen.
Das Canicom GPS spielt auch in der Unter 500 € - Liga, hat aber - anders als das Pathfinder - ein Display, auf dem eine Kompasnadel und die Entfernung zum Hund angezeigt werden. Die Kartendarstellung wird ähnlich wie beim Pathfinder auch wieder über das eigene Smartphone realisiert.
Die ersten Tests mit dem Canicom GPS sind vielversprechend. Es scheint die Geräte von Garmin und Dogtra in Sachen Reichweite um Längen zu schlagen. 

Die Alternative sind Handy-Systeme, die von Anschaffung und Betrieb her bezahlbar sind und trotz ihrer (Funkloch-)Schwächen für das gute Gefühl sorgen, im Fall des Falles zu wissen, wo die Samtpfote auf der Walz gerade steckt.

 

* Gerät auf Mobilfunkbasis

Am einfachsten gelingt der Start mit Geräten, bei denen eine fest verbaute Simkarte Verbindung zu einem Server aufnimmt und die Position dort ablegt. Über eine kostenlose Handy-App oder vom heimischen PC aus lässt sich diese Position dann abrufen und auf einer Karte darstellen. Auf dem Markt gibt es auch Hundeortungsgeräte, die mit einer eigenen Mobilfunkkarte ausgestattet werden können. Häufig ist die Inbetriebnahme dieser Geräte aber recht kompliziert und unkomfortabel.

Das Tractive GPS aus Österreich dürfte zu den meistverkauften Geräten mit GSM-Verbindung gehören. Das etwa streichholzschachtelgroße Gerät wiegt unter 30 g und wird über einen Clip am Halsband befestigt. Praktisch: Beim neuen Modell lässt sich der Akku auswechseln. Ein optionaler zweiter Akku sorgt für unter-brechungsfreie Nutzung des Gerätes. Neben dem Kaufpreis von rund 50 Euro fällt eine Servicegebühr an, deren Höhe sich nach der Vertragslaufzeit richtet. Soll das Abo monatlich kündbar sein, schlägt es mit 4,90 Euro zu Buche, das Jahresabo gibt es schon für 49 Euro. Die Handy-Software ist kostenlos. In den Gebühren ist übrigens nicht nur der Betrieb des Servers enthalten, an den die Geräte ihre Position funken. Die fest eingebaute Simkarte bucht sich in alle verfügbaren Handynetze ein. Es gibt keine Volumenbeschränkung zu beachten. Die Geräte können unbegrenzt benutzt werden – und das sogar in über 130 Ländern weltweit ohne Mehrkosten. Das Tractive GPS ist aufgrund seiner Größe auf das Energiesparen getrimmt. Im Ruhemodus wird nur in festen Abständen ein Lebenszeichen ins Mobilfunknetz geschickt. Nur wenn wirklich erforderlich kann, über die Handy-App eine Liveortung gestartet werden, die dann aber sehr energieintensiv ist.

Update 1/2021
Das Tractive wird inzwischen in der weißen Version Nr. 4 ausgeliefert. Das Gerät hat sich in Sachen Größe nicht verändert. Allerdings wird jetzt das schnellere LTE-netz zur Datenübermittlung genutzt.

* Braucht man das?

Bei immer mehr Jägern gilt inzwischen die Regel „schnallen nicht mehr ohne GPS“. Bei selbstständig stöbernden Vierbeinern einen Draht zum Himmel zu haben, ist ein unschätzbarer Vorteil. 

Profis wie Rettungshundeführer schätzen nicht nur das Plus an Sicherheit, sondern auch die Möglichkeiten, die Arbeit mit ihrem Hund live oder auch nachträglich auswerten und so verbessern zu können. Ob der Privathundebesitzer und Hundesportler ein „Handy ans Halsband“ packen muss, ist sicher Geschmackssache. Aber gerade die kleinen Mobilfunksysteme belasten weder Hundehals noch Herrchens Geldbeutel übermäßig.  

Sie sorgen aber immer für das gute Gefühl, im Fall des Falles eine Chance zu haben, den ausgebüchsten Vierbeiner schnell wieder einsammeln zu können. 

Die vorgestellten Geräte gibt es in unserem Partnershop waidwerk.de

 

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