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Als Exot zwischen Malinois

Mondioring

Etwa 95 Prozent der Hunde im Mondioring 3 sind Malinois. Tina Neumann tritt mit einem Riesenschnauzer an und hofft, auch andere Fans dieser Rasse inspirieren zu können, mit ihrem Hund in diese Art Gebrauchshundesport reinzuschnuppern. Denn: „Riesenschnauzer bringen eigentlich alles mit, um den Sport erfolgreich ausüben zu können“, findet die Sportlerin. Im September hat sie die Prüfung in der Kategorie 3 bestanden und im Oktober diesen Erfolg in Malsch gleich wiederholt. Ein Selbstläufer war es allerdings nicht. Wir haben mit Tina Neumann über die Eigenheiten der Rasse, ihre Trainingsstrategien und Beweggründe geplaudert.

SPORTHUND: Wie bist du generell zum Hundesport gekommen?

Tina: Ich habe mit 13 mit meiner damaligen Schäferhündin mit Hundesport begonnen. Eigentlich wollte ich nur ein bisschen Hundeschule machen und landete dann auf einem klassischen SV-Platz. Dort habe ich zunächst die BH-Prüfung und ähnliche Grundlagen absolviert. Später, nach dem Studium, hatte ich dann meine ersten eigenen Hunde. Mit meinem Zwergschnauzer habe ich Turnierhundesport betrieben. Danach kam meine Malinois-Hündin dazu, mit der ich ebenfalls im Turnierhundesport aktiv war. Zum Mondioring kam ich, weil ich damals mal über ein großes Trainingstreffen durch Zufall den mehrfachen Weltmeister Sebastian Schäfer kennengelernt habe. Irgendwie bin ich dann dabeigeblieben, weil mich der Sport und seine Vielfalt fasziniert hat. Seit 2018 ergänzte mein Riesenschnauzer das Rudel.

SPORTHUND: Was ist Mondioring überhaupt?

Tina: Mondioring ist eine Gebrauchshundesportart und ähnelt insgesamt dem IGP. Unterschiede gibt es aber bereits in den Disziplinen: Im IGP unterscheidet man in Fährtenarbeit, Unterordnung und Schutzdienst, im Mondioring hingegen in Unterordnung, Sprünge und Schutzdienst. Auch die einzelnen Übungen, die man in den Disziplinen macht, unterscheiden sich.

SPORTHUND: Was müssen die Hunde in den Disziplinen leisten?

Tina: Bei den Sprüngen müssen die Hunde einen Weitsprung, einen Hochsprung und eine – auf der höchsten Dreier-Prüfungsstufe 2,30-Meter hohe – Palisade mit schrägem Abgang bewältigen. Übungen im Bereich der Unterordnung sind etwa das Apportieren von diversen Gegenständen, Futterverweigerung und Ablage trotz Ablenkung. Im Schutzdienst gibt es unter anderem simulierte Angriffe (ohne Schläge), das Bewachen von Gegenständen und das Verteidigen des Hundeführers. Oder ich muss meinen Hund auf einen Helfer mit Flatterbändern oder anderen Accessoires in der Hand schicken. Die abgebrochene Flucht ist für mich persönlich immer ein extremer Nervenkitzel. Man schickt den Hund erst auf den Helfer und bekommt dann gezeigt, ob der Hund beißen darf oder abgepfiffen werden muss. Für die maximale Punktzahl muss man auch noch möglichst spät pfeifen. Das alles passiert innerhalb weniger Sekunden. Auf meiner letzten Prüfung habe ich gute Nerven bewiesen und Arielle hat es einfach super gemacht.

Mondioring Hund Helfer

SPORTHUND: Wie laufen die Prüfungen im Mondioring ab?

Tina: Im IGP werden die Disziplinen einzeln geprüft. Die Hunde sind jeweils etwa eine Viertelstunde auf dem Platz und haben danach erstmal Pause. Im Mondioring sind Unterordnung, Sprünge und Schutzdienst in eine längere, zusammenhängende Prüfung gepackt. Außerdem unterscheiden sich beide Sportarten im Hinblick auf die Ausführungen. Im IGP haben die Prüfer eine klare Vorstellung von der idealen Ausführung und verlangen von den Hunden eine maximale Exaktheit und Präzision. Die Hunde sollen hochtriebig sein und Vollgas geben. Im Mondioring ist das gar nicht so möglich, weil das konditionell ein Thema wird. Bei uns dauert eine Prüfung bis zu 40 Minuten. Ich möchte gar nicht, dass sich mein Hund an einer einzelnen Übung so hochzieht. Er soll eher souverän sein. Zudem variiert bei uns die Prüfung jedes Mal, so dass ich die Abfolge nicht kenne: die Reihenfolge der Disziplinen wird nämlich vor dem Wettkampf ausgelost. Deshalb kann ich dem Hund eine solche Exaktheit und Präzision nicht beibringen.

Mondioring

SPORTHUND: Bedeutet das, dass Mondioring immer ein Gesamtpaket ist und man sich nicht auf eine Disziplin spezialisieren kann?

Tina: Genau.

SPORTHUND: Was fasziniert dich am Mondioring?

Tina: Die Vielfalt und Flexibilität. Im Mondioring kenne ich zum Beispiel die Apportier-Gegenstände vorher nicht: das können schwer zu tragende glitschige Bälle sein oder ein Quietschespielzeug. Der Hund muss den Gegenstand innerhalb von 20 Sekunden bringen und darf dabei nicht knautschen. Ob er dann aber vor mir sitzt, oder aber in meinem Nahbereich neben mir, ist völlig egal. Das heißt, ich muss meinem Hund das grundsätzliche Apportieren beibringen, aber nicht den letzten Grad an Perfektion in der Ausführung. Im Monitoring hingegen sieht man deshalb genau, wo der Hund seine Stärke hat. Ich mag diesen Freigeist, dass der Hund seine Qualitäten ausspielen kann und dass ich seine Stärken so forme, wie ich es brauche. Für mich ist das typgerechter. Ich bin selbst nicht so schemaverliebt. Außerdem haben die Prüfungen jedes Mal andere Mottos mit unterschiedlicher Dekoration. Die Mondioring-Prüfung in Malsch etwa stand unter dem Motto „Halloween“. Riesenschnauzer beim Mondioring

SPORTHUND: Dein Riesenschnauzer ist ein ziemlicher Exot in der Sportart.

Tina: Ich weiß, dass es im Französischen Ring 2 einen Riesenschnauzer gab und aktuell wird im Mondioring 1 noch einer geführt. Im Mondioring 3 ist mir keiner bekannt. Gefühlt treten dort 95 Prozent Malinois an. Der Rest sind ein paar Tervueren, ein paar holländische Schäferhunde und ab und an ein Deutscher Schäferhund. Damit hört's dann auf.

SPORTHUND: Woran, glaubst du, liegt das?

Tina: Keine Ahnung. Wahrscheinlich, weil sich einfach kein Sportler für einen Schnauzer begeistern kann. Wenn 95 Prozent der Menschen, die den Sport betreiben, mit einem Malinois antreten, ist das wahrscheinlich die beste Rasse für den Sport. Und das ist auch so. Malinois sind dafür prädestiniert. Schnauzer sind speziell. Es ist schwer zu beschreiben, aber sie sind anders als Malinois. Sie sind nicht ganz so hochtriebig.

SPORTHUND: Warum bist du das Wagnis „Mondioring mit Riesenschnauzer“ trotzdem eingegangen?

Tina: Das war eher Zufall. Ich habe Mondioring mit meiner Ambi angefangen. Mein Traum war aber ein Riesenschnauzer, aber ich war unsicher, ob ich mit dieser Rasse Mondioring machen kann. Dann dachte ich mir: ich mag den Sport, ich mag Riesenschnauzer - jetzt hole ich mir einen und wenn es mit dem Sport nichts wird, dann ist es halt so. Tatsächlich hatte ich mich sogar schon ein bisschen damit abgefunden, dass Arielle es nicht macht. Sie hat schon ein Stück weit ihren eigenen Kopf. Und den so zu formen, dass wir auf einer Prüfung gemeinsam laufen können und das jetzt dann auch mal halbwegs erfolgreich, war echt Arbeit. Da empfinde ich Malinois einfach ein Stück weit kooperativer.

SPORTHUND: Welche Herausforderungen musstest du überwinden?

Tina: Arielle hat gerade mal 25 Kilo, das ist für einen Riesenschnauzer gar nichts. Normalerweise bringen die mindestens 30 Kilo auf die Waage. Trotzdem ist sie ein eher körperlicher Hund und nicht besonders feinfühlig. Anfangs rannte sie die Palisaden oder Hürden erst fünfmal um, bevor sie sich überhaupt zu springen bemühte. Sie ist auch sehr, sehr laut. Sie bellt eine Prüfung komplett durch. Außerdem hat sie beispielsweise das erste Dreivierteljahr nicht mit anderen Menschen gespielt, sondern alles nur mit mir gemacht. Ein anderes Beispiel ist das Zurückpfeifen, mit dem im Mondioring Beißphasen unterbrochen werden. Sie hat als junger Hund gelernt, auf das Signal der Trillerpfeife zu mir zurückkommen. Beim ersten Mal mit Helfer rannte sie aber direkt an mir vorbei in den Wald hinein und war weg. Das sind so Momente, wo du dastehst und denkst: Okay, damit habe ich jetzt nicht gerechnet. Sie hat mich also vor einige Aufgaben gestellt. Dafür musste ich passende Techniken entwickeln. Riesenschnauzer und Helfer

SPORTHUND: Wie hast du sie dazu gebracht, zu machen, was sie soll?

Tina: Indem ich ihr die Zeit gegeben habe, die sie brauchte. Lange Zeit war für sie mit dem Abpfeifen das Training beendet und sie hat sich nicht mehr für den Helfer interessiert. Dann konnte man nur noch abbrechen, sie ins Auto laden und an einem anderen Tag weitermachen. Wir haben dann kurze Einheiten mit ihr gemacht, ohne Abpfeifen, sondern nur mit normalem Aus. Einschneidend war auch das erste Schießen. Wir haben das beim ersten Mal von Weitem geübt, damit sich Arielle an den Knall gewöhnen kann, denn im Mondioring wird im Schutzdienst bei der Flucht während der Beißphase zweimal geschossen. Sie lief auch schön zu dem Helfer hin, aber nur, um neben ihm nach dem Rauch aus der Schreckschusspistole zu suchen. Ans Beißen war nicht mehr zu denken.

SPORTHUND: Wie lange hat es gedauert, bis du sie so weit hattest, dass ihr in den ersten Prüfungen starten konntet?

Tina: Gestartet bin ich recht früh, vielleicht mit eineinhalb Jahren. Die ersten Prüfungen in Kategorie eins und zwei liefen auch noch ganz gut. Das Chaos ging in Kategorie 3 los und dann wurde es über die ganzen Jahre richtig schlimm. Nachdem wir in den ersten 3er-Prüfungen erfolglos blieben, hatte ich schon aufgegeben und unsere Mondio-Karriere beendet.

Jetzt ist der Knoten geplatzt. Wir sind an einem Punkt, wo eine Prüfung nicht mehr das reinste Glücksspiel ist, sondern wir sind auf dem Platz ein Team. Es hat sich ausgezahlt, dass ich in den letzten Jahren extrem viel Gehorsam trainiert habe. Im September hat sie jetzt ihre erste Mondioring 3 Prüfung bestanden. Weil ich befürchtete, dass das nur Zufall war, habe ich uns gleich noch mal gemeldet und auch in der zweiten Prüfung war es spürbar. Wir haben es gleich wieder geschafft.

Das, was jetzt punktetechnisch zum Gewinnen fehlt, ist auch meinem Können geschuldet. Dass alles so lange gedauert hat, lag nicht nur an Arielle, sondern auch daran, dass ich den Sport erst lernen musste. So ehrlich muss man sein. Sie ist mein erster Hund, den ich im Monitoring 3 führe. Mit meinem Malinois bin ich so weit gar nicht gekommen. Da habe ich mit Hängen und Würgen nach einigen Versuchen die Kategorie 2 bestanden und dann war sie eigentlich schon zu alt. In meiner ersten Trainingsgruppe waren wir alle noch recht unerfahren. durch meinen Umzug nach Österreich trainiere ich jetzt in einer anderen Gruppe, in der deutlich mehr Erfahrung vorhanden ist.

SPORTHUND: Kann man es also so zusammenfassen, dass du die Wahl der Hunderasse einfach höher priorisierst als die Sportart?

Tina: Das ist definitiv so. Ich bin eher der Rasse verfallen. Riesenschnauzer

SPORTHUND: Wird dein nächster Hund wieder ein Riesenschnauzer?

Tina: Wahrscheinlich. Vielleicht tue ich mich dann bei vielen Sachen leichter, weil ich mich auf gewisse Dinge einstellen kann. Ich würde bei der Auswahl wieder auf einen Riesenschnauzer aus Leistungszucht achten. Schon der Wurf, aus dem Arielle stammt, war von der Verpaarung her so ausgesucht, dass klar war, dass die Welpen gut Dampf haben. Daraus habe ich mir nochmal so ziemlich den Verrücktesten ausgesucht. Einen nächsten Riesenschnauzer würde ich mir aus einer ähnlichen Linie holen, wenn nicht sogar vom selben Züchter.

SPORTHUND: Was sind deine Pläne für die Zukunft?

Tina: Arielle ist immerhin schon sieben. Mein großer Traum war, dass Arielle die Mondioring 3 Prüfung besteht, und dieses Ziel haben wir erreicht. Alles, was jetzt noch kommt, ist Zugabe. Ich werde uns fürs nächste Jahr definitiv noch für die CACIT anmelden, aber nach der kommenden Saison geht sie langsam in Mondioring-Rente. Arielle ist ein einsatzfähiger Spürhund für Bettwanzen. Das wird nach der sportlichen Laufbahn ihr Hauptjob werden.

Hinzu kommt, dass bei uns in Österreich der Schutzhundesport verboten ist. Es gibt hier keine Vereine mehr. Wir haben zwar unseren Trainingsplatz noch, wo ich meine Unterordnungselemente üben kann, also Gehorsam und die Sprünge. Aber alles, was Schutzdienstübungen sind, nicht. Dafür muss ich nach Deutschland fahren. Das heißt, wir haben hier eigentlich gar keine Trainingsmöglichkeiten. Das ist nicht optimal. Ich bin mit meiner besten Freundin ein kleines Zweimann-Trainingsteam. Dadurch habe ich keine großen Erwartungen. Träume, ja sicherlich, aber Erwartungen oder irgendwas, was mich enttäuschen könnte, nicht. Vor dem Hintergrund bin ich umso stolzer, dass meine Freundin und ich auf einem tollen Stand sind und wir die letzten beiden Prüfungen super gemacht haben.

SPORTHUND: Vielen Dank für das Interview!