Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen
Persönliche Beratung
Schneller Versand
Exklusive Produkte

Scheinträchtigkeit

Scheinträchtigkeit

Deine Hündin baut ein Nest, trägt Spielzeug umher oder bekommt vielleicht sogar Milch, obwohl keine Deckung stattgefunden hat? Dann ist sie wahrscheinlich scheinträchtig. So wird ein normales Verhalten im Zyklus von Hündinnen bezeichnet, in der die Hormone verrücktspielen. Andere Hündinnen durchlaufen diese Zeit jedoch fast unbemerkt. Warum es zur Scheinträchtigkeit kommt und was sie für dich als Halter bedeutet, liest du hier.

Um zu verstehen, wie eine Scheinträchtigkeit entsteht, lohnt sich ein genauer Blick auf den Zyklus von Hündinnen. Ein- bis zweimal im Jahr bereitet sich ihr Körper nämlich auf eine Deckung vor. Dann sind sie läufig: die gesamte Phase dauert insgesamt etwa sechs Wochen und folgt einem festen Ablauf.

Zweimal im Jahr läufig und scheinträchtig

In der sogenannten Vorbrunst (Proöstrus, Dauer: 3 bis 17 Tage) steigt die Östrogenproduktion in den Eierstöcken, wodurch ein Follikel mit Eizelle heranreift. Äußerlich lässt sich dieser Zyklusabschnitt bei Hündinnen an der angeschwollenen Vulva und dem blutigen Ausfluss erkennen. In dieser Zeit zeigen Rüden bereits starkes Interesse, doch sie selbst sind noch nicht deckbereit und weisen alle Annäherungsversuche energisch ab. Der Eisprung markiert das Ende der Vorbrunst und leitet die Standhitze (Östrus, Dauer: 3 bis 9 Tage) ein. In diesem Abschnitt sind die Hündinnen empfängnisbereit: der Östrogenspiegel sinkt, während das Gelbkörpergewebe in den Eierstöcken Progesteron bildet, um die Gebärmutterschleimhaut aufzubauen. Äußerlich zeigt sich die Standhitze, wenn sich der Ausfluss von blutig zu wässrig verändert. Jetzt sind die Hündinnen für das Gebären der Rüden empfänglich und lassen eine Deckung zu.

Prolaktin ruft Scheinträchtigkeit hervor

Anschließend schließt sich die Nachbrunst (Metöstrus oder Diöstrus, 9 bis 12 Wochen) an. In diesem Abschnitt bleibt der Progesteronspiegel noch mehrere Wochen erhöht – unabhängig davon, ob die Hündin tatsächlich trächtig ist oder nicht. Bei einer trächtigen Hündin sorgt es dafür, Kontraktionen der Gebärmutter zu verhindern, um die Schwangerschaft zu erhalten. Sobald der Progesteronwert sinkt, steigt automatisch der Spiegel des Hormons Prolaktin an – ebenfalls unabhängig davon, ob eine Trächtigkeit vorliegt oder nicht. Es sorgt dafür, dass eine Hündin ihre Welpen versorgt – es regt die Milchbildung an und verstärkt das mütterliche Verhalten. Da der Hormonspiegel von Hündinnen also keinen Unterschied macht, ob wirklich eine Befruchtung stattgefunden hat oder nicht, zeigen alle Tiere die Anzeichen einer Trächtigkeit und das typische Wurfpflege-Verhalten. Bei nicht-trächtigen Tieren endet diese Phase lediglich früher und klingt nach ein bis zwei Wochen von selbst ab. Danach folgt die Ruhephase (Anöstrus, 14 bis 21 Wochen), in der sich Körper und Hormonhaushalt bis zum nächsten Zyklus erholen.

Scheinträchtige Wölfinnen können Wurf mitversorgen

Dieses Verhalten ist aus evolutionärer Sicht absolut sinnvoll: Hündinnen haben es von ihren direkten Vorfahren, den Wölfinnen, geerbt. Denn im Wolfsrudel bekommt nur die Leitwölfin Nachwuchs. Wenn die anderen Wölfinnen ihren Zyklus aber anpassen und sogar Mutterverhalten entwickeln, können sie den Wurf mitversorgen. So haben die Jungen bessere Überlebenschancen, und die Gene der Gruppe wurden gesichert. Obwohl also jede Hündin nach der Läufigkeit eine solche Phase durchläuft, ist sie nicht immer gleich stark ausgeprägt: manche Tiere sind vielleicht lediglich etwas schlapper als sonst, während andere deutliche Symptome zeigen. Manche Hündinnen …

• … sind anhänglicher als sonst und suchen verstärkt die Nähe zu ihren Menschen, andere sind unruhig, nervös oder erscheinen sogar aggressiv,
• … verweigern das Futter, andere wollen ungehemmt fressen und nehmen leicht an Gewicht zu,
• … scharren Decken und Kissen zusammen und bauen sich ein Nest,
• … behandeln Spielzeug oder andere Gegenstände wie Welpen und tragen die Sachen umher,
• … haben angeschwollene Zitzen, aus denen sogar Milch austreten kann.

Insbesondere kleine Rassen zeigen die Symptome häufig ausgeprägter. Warum Hündinnen so unterschiedlich reagieren, ist noch nicht vollständig geklärt. Tierärzte vermuten, dass einmal die Menge des ausgeschütteten Prolaktins sowie die Geschwindigkeit des Progesteronabfalls entscheidend ist.

Die Scheinträchtigkeit gemeinsam durchstehen

Eine leichte Scheinträchtigkeit benötigt in der Regel keine weitere Beachtung. Bei stärkeren Symptomen solltest Du ihr mit Geduld und Feingefühl durch diese Zeit helfen. Gönne ihr einerseits Ruhe, aber biete ihr trotzdem mit langen Spaziergängen Bewegung und Ablenkung. Gleichzeitig solltest Du übermäßiges „Bemuttern“ von Spielzeug eher unterbinden, weil es das Verhalten verstärken kann. Bei geschwollenen Milchdrüsen ist es ratsam, sie nicht zu stimulieren – also nicht zu drücken oder zu massieren, da dies die Milchproduktion anregen würde.

• Achte auf ausreichend Ruhe und einen geregelten Tagesablauf deiner Hündin
• Unternehmt lange Spaziergänge, wo euch keiner stört
• Biete ihr Beschäftigungseinheiten an (Spiele, Training), um sie von ihren „Ersatzwelpen“ abzulenken
• Verhindere, dass sich deine Hündin an den Zitzen leckt (eventuell mit einem Kragen)
• Unterbinde die Wurfpflege, indem du ihre „Ersatzwelpen“ und ihr Nest wegräumst

Bei schweren Symptomen zum Tierarzt

Leidet deine Hündin während ihrer Scheinträchtigkeit sehr, solltest du tierärztlichen Rat einholen. Typische Symptome, die du nicht auf die leichte Schulter nehmen solltest, sind, wenn sie deutliches Schmerzverhalten zeigt, sich ihre Milchdrüsen entzünden oder wenn sie apathisch, fiebrig oder ungewöhnlich matt ist. Dann kann eine Behandlung mit einem Prolaktinhemmer helfen, ihren Hormonhaushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Treten die Scheinträchtigkeiten bei einer Hündin regelmäßig sehr stark auf oder sind mit Komplikationen verbunden, kann eine Kastration in Betracht gezogen werden. Der Eingriff kann Vorteile haben: Sie beugt weiteren Läufigkeiten vor und senkt das Risiko für Gebärmutterentzündungen und Gesäugetumore. Gleichzeitig ist es jedoch ein chirurgischer Eingriff mit den üblichen Risiken, und die Hündin verliert dauerhaft ihre Fruchtbarkeit. Manche Tiere neigen nach einer Kastration außerdem zu Gewichtszunahme oder Fellveränderungen.

Kein Zusammenhang zur Gebärmutterentzündung

Apropos Gebärmutterentzündung: Es gibt keinen Zusammenhang zwischen dem Auftreten einer Scheinträchtigkeit und dem einer Gebärmutterentzündung. Allerdings wird die Erkrankung durch die gleichen hormonellen Abläufe begünstigt: durch den geöffneten Muttermund in der Östrus-Phase, um bei einem möglichen Deckakt die Spermien aufzunehmen, können auch Erreger in die Gebärmutter gelangen. Diese finden in der Metöstrus-Phase, in der die Gebärmutterschleimhaut stark aufgebaut ist und Progesteron Kontraktionen der Gebärmutter verhindert, optimale Wachstumsbedingungen. Es entsteht eine Entzündung, bei der sich Eiter bildet. Besonders gefährlich ist die sogenannte geschlossene Form, bei der der Eiter nicht ablaufen kann. Typische Anzeichen können Abgeschlagenheit, Fieber, vermehrtes Trinken und Urinieren sowie ein aufgeblähter Bauch sein. Eine Gebärmutterentzündung muss tierärztlich behandelt werden, da sie unbehandelt lebensbedrohlich verlaufen kann.