Arktische Kälte und Bodenfrost beeinflussen die Ergebnisliste

Bei klarem kalten Winterwetter starteten 30 qualifizierte Teams in die VDH Deutsche Meisterschaft IPO-FH, unter ihnen die Titelverteidiger Michael Tomczak und Thomas Thies, die sich im letzten Jahr punktgleich den ersten Platz teilen durften. Zum zweiten Mal konnten der HSV Edingen und der VfH Neckarhausen diese große Veranstaltung perfekt organisiert ausrichten. Als eine der wärmsten und Wetter geschützten Gegenden Deutschlands präsentierte sich der Rheingraben an dem leider kältesten Wochenende des Winters von seiner frostigen Seite. Ein eisiger Wind verwirbelte die trockenen und sandigen Böden auf  Fährtenniveau zusätzlich und ließ die auf dem toten Boden wenig vorhandenen Fährtengerüche fast gänzlich verschwinden. Das machte die Suche für die Hunde außerordentlich anstrengend und schwierig. Durch Vorjahreserfahrungen war klar, dass bei dieser Deutschen Meisterschaft den 30 Spezialisten durch die widrigen Bedingungen alles abgefordert werden würde. 

 

Nur einige wenige Hunde konnten punkten

Am Freitag, dem ersten Wettkampftag, dauerte es bis in die Mittagsstunden bis die erste Fährte erfolgreich beendet werden konnte. Susanne Wachsmut - die amtierende Bundessiegerin FH des Vereins für Deutsche Schäferhunde - suchte mit ihrem Rüden Beamer ad Hominem 82 Punkte. 

Susanne Wachsmuth und Beamer

„Die Punktzahlen hier werden den Leistungen der Hunde nicht gerecht. Dass viele sehr gute Hunde hier nicht ankommen zeigt, wie schwer die Aufgabe ist.“ 

Nach der ersten Fährte waren nur noch  sieben Teams in den Titelkampf involviert. Viele Hunde bekamen schon am Ansatz nicht genug Fährtengeruch in die Nase und verloren auf der ersten Gerade oder an der ersten Wegüberquerung die Spur. Zu wenig Duftpartikel hatte der gefrorene Boden zu bieten. Dennoch zeigten alle Hunde Kampfgeist und einen großen Arbeitswillen.

Am besten hatte den ersten Auftritt der Titelverteidiger Thomas Thies gemeistert, der mit seiner TARA VON DEN WANNAER HÖHEN sogar ein "Vorzüglich" erreichen konnte und damit in der Zwischenwertung vorne lag. Mit 94 Punkten platzierte sich Grit Oberländer mit CHUCK vom Reinholdsberg in Schlagdistanz. Bemerkenswert an dieser Stelle ist sicher, dass unter den sieben Erfolgreichen des ersten Teils auch zwei Rassevertreter der Hovawarte waren, während der amtierende Weltmeister Michael Tomczak mit AIK VON RIO NEGRO und 59 Punkten leider schon aus dem Rennen war. Ute Andric mit Hiska von Negro Lobo (dhv) und Sabine Keßler mit Bryana vom Hohenloher Land (RZV) zeigten eine gute Leistung.

Fährten sehr nah an bewirtschafteten Wegen

Uwe Kluge (RSV2000), der mit seiner Bonny vom Ehrendorfer Land am Ende zu den Glücklicheren zählte, sah eine weitere Schwierigkeit darin, dass die Fährtenverläufe bis fast an die bewirtschafteten und belebten Wege gelegt wurden. So ergaben sich besonders durch den Wind zusätzliche Verleitungen durch Fremdgerüche, die die Arbeit der Hunde nochmals erschwerten und die Meisterschaft insgesamt sehr anspruchsvoll machte. Ganz pragmatisch vertrat er aber den Standpunkt, dass hier keine Anfänger am Start waren und erfahrene Hunde selbst bei diesen Bedingungen ihre Arbeit machen müssten.

Statistik VDH IPO-FH DM 2018

Auch Thomas Thies wurde  Opfer der vollen Flächenausnutzung. „Meine erste Fährte verlief recht nah am und parallel zum Weg. Nach dem Geländewechsel ging Tara plötzlich schräg hoch zum Weg und bog ca. ein bis zwei Meter daneben in den rechten Winkel ein. Unfassbar. Hätte dort ein Auto geparkt, wäre die Fährte weg gewesen. Der spitze Winkel kam unmittelbar vor dem Geländewechsel, aber genau dort am Umbruch war der Verleitungsleger zurückgegangen. Auf unserer letzten Fährte lag der spitze Winkel auch kurz vor dem Weg an dessen Rand ein VW Bus am Feldrand parkte. Die aussteigenden Personen waren vermutlich über den Winkel gelaufen. Ich war mehr als zufrieden mit Taras Leistung! Die Woche Urlaub mit täglichem FH Suchen bei Dauerfrost war eine gute Vorbereitung auf diese DM.“

Der Vize-Weltmeister 2016 und zweimalige Deutsche Meister Marco Apitz hatte mit seiner 11-jährigen Schäferhündin Khadryze vom Haus Lohre leider in der ersten Fährte nur 30 Punkte erreicht. Aber auf der zweiten stellte das Team sein Können unter Beweis und erreichte mit 98 Punkten am Ende das höchste Veranstaltungsergebnis. Nach einer so außergewöhnlichen Sportkarriere hätte man der Hündin bei einem ihrer letzten großen Wettbewerbe auch einen Platz auf dem Treppchen gewünscht.  

Kopf an Kopf

Wie auch Thomas Thies, hatte die dhv-Deutsche Meisterin Grit Oberländer die Belastung einer Ersatzfährte am ersten Wettkampftag. Wie bei Tara entschied der Richter dies erst nach einer schon weit abgesuchten Fährte. Die wenigen Unsicherheiten der Fährtenleger bei dieser Meisterschaft führten zu der Entscheidung Ersatzfährte, da beide Hunde bis dahin eine herausragende Suchleistung zeigten. Trotz der doppelten Beanspruchung überzeugten dann beide und beeindruckten durch Sicherheit und Ausdauer. Grits akribische Vorbereitung mit drei bis vier Fährten pro Woche zahlte sich aus, denn am Schluss hatte  der 5-jährige Chuck die Nase vorn.

die beiden Erstplatzierten fahren zur WMSchöne Veranstaltung mit gutem Teamgeist

Als schöne Veranstaltung mit gutem Teamgeist beschrieben die Teilnehmer den Wettbewerb. Thomas Thies brachte es auf den Punkt: „Die Kameradschaft im FH-Lager ist ja ohnehin top! Und obwohl nur jeder Sechste bestanden hat, würde ich die Stimmung immer noch als sportlich intakt bezeichnen.“ Das unterstreicht auch Susanne Wachsmut: 

„Jeder weiß, was der Hund des anderen geleistet hat, man zittert miteinander, tauscht seine Erfahrungen aus und lernt immer Neues dazu. Es geht nicht um Zuchtrelevanz, sondern man genießt es, den Hunden der verschiedenen Rassen beim Fährten zuzusehen.“

Ihr persönliches Resümee: „Beamer wollte finden und er wollte ankommen. Seine erste Fährte auf dünner Saat mit ordentlichen Windböen war machbar. Bis auf den Bogenausgang, wo ich ihm verbal helfen musste und was deutlichen Punktabzug zur Folge hatte, hat er sich selbstständig durchgekämpft. Nachdem am Samstagmorgen bereits alle zehn Teilnehmer inklusive des amtierenden Vize-Weltmeisters vor mir durchgefallen waren, konnte ich mit den vergebenen 82 Punkten mehr als zufrieden sein. Mich hat fasziniert, wie Beamer eine Strategie entwickelt hat, die Fährtenabrisse auf der blanken Fläche zu überbrücken, er hat auch noch die ersten Winkel und den Bogen genommen. Diesen ließ der Fährtenbeauftragte, warum auch immer, über einen Weg legen, was BEAMERs Fähigkeiten dann wohl doch überschritten hat, zumal seine Kondition da auch deutlich nachgelassen hat. Unsere Vorbereitung litt unter dem nassen Winter – die Felder standen unter Wasser – wir haben uns auf kleine Spaßfährten und ein wenig Konditionstraining beschränkt.“

Richterleistung anerkannt

Wachsmut bescheinigte ihren Richterkollegen Franz Schwan vom DVG und Frank Heindorf vom RZVH eine faire und fundierte Arbeit im Sinne der Hunde mit objektiven und nachvollziehbaren Bewertungen mit Herz. Frank Heindorf lobte bei seiner ersten VDH Nominierung die Arbeit der Fährtenleger: “Sie haben ihren Job wirklich sehr gut gemacht, wussten in der Regel wirklich genau wie der Fährtenverlauf war und wo die Winkel lagen. Als Richter konnte man sich auf diese Arbeit verlassen.“

Platz 3 für Naomi vom Further MoorDeutliche Kritik an dem Fährtenbeauftragten

Susanne Wachsmuts deutliche Kritik, auch aus ihrer Sicht als Leistungsrichterin, richtete sich an den Fährtenbeauftragten, der in seinen Anweisungen an die Fährtenleger nicht die widrigen Umstände im erforderlichen Maß zu berücksichtigen wusste. 

Dieser Kritik schloss sich auch der zweite Vorjahresgewinner und amtierende Weltmeister Michael Tomczak an: „Meiner Meinung nach sollte grob scholliger Acker bei deutlichen Minustemperaturen nicht für vergleichende Wettbewerbe genutzt werden. Hier ist auch die Gesamtleitung gefragt, die Entscheidung über die Brauchbarkeit des Geländes sollte nicht nur dem örtlichen Veranstalter unterliegen. Unter den herrschenden Bedingungen führt die Nutzung von unbegrünten und/oder grob scholligen Flächen dazu, dass der Zufall über das Bestehen einer Fährte entscheidet.“

 

 

Aik vom Rio NegroMichael Tomczak freut sich auf die Weltmeisterschaft in Vranov nad Topfou

Sein erfahrener Aik vom Rio Negro zeigte mit seinen zehn Jahren eine Arbeit par exellence. Durch gewissenhaftes und druckvolles Suchen meisterte er seine zweite Fährte allen Widrigkeiten zum Trotz. „Eine Fährte mit 97 Punkten im „Vorzüglich“ und bei der anderen toll gekämpft“, strahlte Tomczak. Die Fahrkarte in die Slowakei hat er als amtierender Weltmeister schon längst in der Tasche und freut sich auf die Fährten dort. Sein Erfolgsrezept für die Vorbereitung: Einfach regelmäßig durchsuchen.

Sabine Keßler: Mit zwei Hunden am Start

Einzige Starterin mit zwei Hunden war die Deutsche Meisterin und Vizemeisterin des RZV für HovawartHunde Sabine Keßler. Ihre Hündinnen Bryana und Escada vom Hohenloher Land, beide aus eigener Zucht, konnten je eine Fährte bestehen. Die Leistung von Mutter und Tochter beschreibt die Hundeführerin so: 

„Am ersten Tag ging die Fährte von Escada schräg vom Abgang weg und lag nur zehn Meter neben der Nachbarfährte. Leider hat sie sich durch den Wind seitlich in diese reintreiben lassen und es wurde dann schnell abgebrochen. Am zweiten Tag ging es nach 50 Schritten auf der ersten Geraden plötzlich schräg weg und keiner wusste warum. Escada hat sich nicht aufgegeben in dem mega trockenen Schollenacker  und diese Fährte bestanden! Bryana hatte eine richtig lange erste Fährte, hat sich tapfer durchgekämpft und war an diesem Tag einer der ersten Hunde, der überhaupt eine Fährte bestanden hat! Bei der zweiten Fährte, die parallel zu einem Spazierweg lag und wo der ein oder andere Hund an der Flexileine auf die Fährte gesprungen war, konnte sie den vorletzten Winkel nicht erarbeiten, der in diesem Bereich lag. Da war ich natürlich schon enttäuscht, so kurz vor dem Ziel.“

Sag niemals nie

Der dritte Hovawart Hiska vom Negro Lobo startete erfolgreich für den dhv. Nachdem Ute Andric sich im letzten Jahr nach ihrem tollen 6. Platz im Vorjahr offiziell mit der inzwischen 10-jährigen Hündin von den großen Wettbewerben zurückgezogen hatte, konnte sie sich ungeplant bei der dhv Deutschen Meisterschaft Mitte November 2017 im Schneegestöber doch nochmal zur DM qualifizieren. Mit zwei bestandenen Fährten gehörte das Team am Ende zu den fünf Glorreichen, die den Bedingungen trotzten und das Prüfungsziel erreichten.

Ute Andrics Nur fünf Teams konnten bestehen – Grit Oberländer gewinnt 

Nach den drei Wettkampftagen konnten also von den 30 gestarteten Teams nur vier Schäferhunde und ein Hovawart bestehen. Die vier Hündinnen Tara von den Wannaer Höhen (DSH) von Thomas Thies und  Bonny vom Ehrendorfer Land ( DSH) von Uwe Kluge, Naomi vom Further Moor (MAL) von Denise Plaschil und Ute Andrics Hiska vom Negro Lobo (HOV) mussten sich am Ende dem einzigen Rüden, der beide Fährten ins Ziel brachte, geschlagen geben.

Die neuen Deutschen Meister IPO-FH sind Grit Oberländer mit dem Weißen Schäferhund Chuck vom Reinholdsberg (dhv), die mit vorzüglichen 191 Punkten überzeugend den Titel 2018 holten. 

Wird es Konsequenzen aus der hohen Ausfallquote geben?

Susanne Wachsmuts Fazit: "Positiv hervorheben möchte ich auch die Bemühungen des VDH-Vorstandes, die hohe Durchfallquote zu analysieren und als Lösung eine Vorverlegung der VDH DM zum Jahresende anzustreben. Leider ist das Wetter immer eine nicht zu kalkulierende Größe bei dieser Veranstaltung, aber es wäre durchaus vorteilhaft, da die Hunde nach den Qualifikationen noch immer gut im Training wären.“ 

Schon bei der Siegerehrung konnte VDH Vizepräsident Wolfgang Henke als Ergebnis der Gespräche des Wochenendes eine Verlegung der VDH DM für Fährtenhunde in den Herbst, möglicherweise November, in Aussicht stellen. 

Die vollständige Ergebnisliste findet sich hier.

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