Spielen auf Augenhöhe

„Der Freiraum des Spiels bietet eine besonders gute Möglichkeit, sich gegenseitig kennenzulernen, gemeinsam neue Aufgaben zu bewältigen, auf spielerische Weise Grenzen zu erleben und so im doppelten Sinne zusammenzuwachsen.“ (Günther Bloch)

 

Spielen mit dem Hund – Auflockerung der Unterordnung, Belohnung für gute Trainingseinheiten – so fing es Ende der 80-iger Jahre an, auf den Hundeplätzen modern zu werden. Beißwurst raus, Anbiss, Hund hochreißen auf zwei Beine, vielleicht noch einmal um die eigene Achse fliegen lassen – ein herzhaftes AUS! und weiter ging‘s im Ausbildungsprogramm. Alternativ das Bällchen als Bestätigung werfen und den Hund ganz schnell über den Platz rennen lassen: Urinstinkt Jagd und darin vor allem der sogenannte Beutetrieb waren Motor dessen, was Spiel genannt wurde und bis heute wird. Eine reine Sequenz des Jagdverhaltens, reduziert auf die, durch Ausschüttung körpereigener  Glückshormone, erlebte Hochstimmung.

„Beutefangverhalten wird am Ersatzobjekt Ball aktiviert und trainiert. Lustbetont ist Beutefangverhalten allemal, als Interaktion zwischen Mensch und Hund äußerst einseitig und durchaus angetan, Störungen im Verhalten des Hundes zur Interaktion mit seiner Umwelt zu entwickeln, wenn alleine diese Reize des ‚Spiels‘ dominieren." (Dr. Dorit Urd Feddersen-Petersen)

In den 90igern wurde dem Spiel eine größere Beachtung geschenkt. Der Hund, sein Ausdrucksverhalten und seine Bedürfnisse rückten mehr in den Mittelpunkt des Miteinanders und des Spiels. Die Ausbildung und der Umgang mit dem Hund haben sich darauf basierend in vielen Vereinen vom Sportgerät zum Teampartner gewandelt.

Und dennoch ist das Spiel mit dem Hund auch heute noch meist ein reines Abrufen von Instinkthandlungen, bei dem der Mensch zur Ballwurfmaschine mutiert und dem im Abspulen des Urinstinkts keinerlei Bedeutung zukommt. Eine rein körperliche Beschäftigung des Hundes, die durch die Ausschüttung der körpereigenen Endorphine selbstbelohnend ist, statt in dem Tun mit dem Hundeführer Bestätigung zu finden.

 Spielen ist pures Vergnügen

 

 

 

 

 

Spielen ist pures Vergnügen 

Echtes Spiel, also nicht eine unabdingbare Handlung auf einen Schlüsselreiz hin, kann nur freiwillig stattfinden, wenn alle körperlichen Bedürfnisse erfüllt sind, die Spielpartner sich sicher fühlen und sich das Individuum dem puren Vergnügen - dem Spiel - hingeben kann. 

In der Literatur beschreibt Norbert Sachser den sicheren Bereich, in dem Spiel stattfinden kann, als „entspanntes Feld“. Darin finden die Spielpartner sowohl Sicherheit, als auch Anregung.

Selbstverständlich werden im Spiel viele Instinkthandlungen oder Teilsequenzen daraus und besonders bei Welpen später im Leben benötigte Abläufe motorisch geübt – spielerisch eben. Dennoch sollte das Spiel nicht auf Instinkthandlungen reduziert werden.

Was unterscheidet Spielen von einer rein motorischen Beschäftigung?

Es sind vor allem die Motivationen, die einen Unterschied machen. Berücksichtigt man, dass Hunde in der Natur in einem engen sozialen Gefüge, dem Rudel, leben, versteht man die große Bedeutung der  Interaktion zwischen den Familienmitgliedern.

So gibt es neben den bekanntesten Motiva-tionen Beute und Futter insbesondere die soziale Motivation. Sehr stark verknüpft mit Emotionen bietet die soziale Motivation ein weites Feld an Möglichkeiten. Grundvoraussetzung dafür ist jedoch, dass der Hund gelernt hat, dass die soziale Motivation in Bezug auf den Menschen ein hohes Gut ist. Er sollte dem Hundeführer eine große Aufmerksamkeit entgegenbringen, in der die Kommunikation des Teams eine Basis findet. 

Gleichzeitig ist es Aufgabe des Menschen, die beim Welpen und jungen Hund sehr stark ausgeprägte Orientierung am Rudel und damit Menschen ernst und vor allem wahrzunehmen. Nur die respondierende, also antwortende, Kommunikation wird die vorhandene Ausrichtung nach dem Hundeführer erhalten und vertiefen. 

Leider wird die Bedeutung des miteinander Kommunizierens unterschätzt, der Hund bei Spaziergängen, solange er sich nicht auffällig verhält, oft ignoriert (Handy, Erzählen mit Begleitern etc.), Gutes nicht wahrgenommen und Schlechtes bestraft. Seine nonverbalen Fragen, meist Blicke oder Zeigegesten, bleiben unbeantwortet, werden immer weniger, weil nicht lohnend, eingestellt – ein Nebeneinander statt Miteinander lässt die zwischenartliche Beziehung verkümmern.

Spielen ist die elementarste Form des Lernens und aus entwicklungsphysiologischer Sicht sind Lernen und Spielen untrennbar miteinander verknüpft. Versunken in die eigene, nur das Spiel wahrnehmende Welt folgen die Spielpartner einer inneren, der sogenannten intrinsischen Motivation. 

Für ein echtes Spiel benötigt der Hund keinen äußeren Antrieb - Spielen ist eine Tätigkeit mit Selbstzweck. 

Spielen lebt von Emotionen. Besonders das Hochgefühl des Gewinnens nach einer deutlichen, aber bewältigbaren Anstrengung ist Ansporn. Es veranlasst den Hund dazu, zum Hundeführer zurückzukommen, um ihn gleich nochmal in einem erneuten Spiel zu besiegen. 

Hunde, die die Beute sichern und damit nicht zum Hundeführer zurückkommen, verschaffen sich eine Pause nach dem zu anstrengenden, vielleicht auch unfairen Kampf um das Objekt. Vielleicht hat der Hund aber auch gelernt, dass ein Zurückkommen bedeutet, die Beute wird ihm abgenommen. 

„Spiel ist eine freiwillige Handlung oder Beschäftigung, die innerhalb gewisser festgesetzter Grenzen von Zeit und Raum nach freiwillig angenommenen, aber unbedingt bindenden Regeln verrichtet wird, ihr Ziel in sich selbst hat und begleitet wird von einem Gefühl der Spannung und Freude und einem Bewusstsein, des ‚Andersseins‘ als das gewöhnliche Leben.“ (Johan Huizinga)

   

Fairness ist elementare SpielregelFairplay

Spielen ist eine freiwillige Handlung, sie verlangt nach klaren Regeln, die eingehalten werden müssen, damit beide Spielpartner Spaß haben können. Regelverstöße werden durch Sanktionen, wie zum Beispiel Spielabbruch, geahndet. 

Die elementare Spielregel: 

die Unversehrtheit des Spielpartners darf zu keinem Zeitpunkt gefährdet werden. 

Verletzungen und seien sie noch so klein, können in der Natur ein Todesurteil bedeuten und sind zu vermeiden. Aus diesem Grund lernen schon die Kleinsten wie stark sie ihren Fang und die darin befindlichen Zähne einsetzen dürfen, damit es nicht zu Verletzungen kommt. Wir sprechen bei der innerartlichen von der primären Beißhemmung, im zwischenartlichen Spiel Mensch – Hund muss sie erneut erlernt bzw. feinjustiert werden. 

Der unvollkommene Spielpartner Mensch verfügt über kein schützendes Fell, deshalb muss die Art und Stärke des Zubeißens an die dünne Haut angepasst werden. Diese sekundäre Beißhemmung ist Basis eines fairen Miteinanders, bei dem auch der Spielpartner Mensch angstfrei und entspannt im Spiel versinken kann. 

Beutestreiten

 Zu den wichtigen Regeln gehört der gezielte Biss nach der Beute oder dem Futter. Ein Fremdbeißen, also in Hand, Arm, Bein oder Kleidung ist nicht zu dulden und meist ein Zeichen dafür, dass das Handling des Spielobjektes ungünstig ist.

Fairplay gilt genauso für den Hundeführer. Dazu gehört vor allem, dass der Hund gemäß seines Entwicklungsstandes und Alters der Beute folgen kann, sie Fang nah vor sich sieht und ein Anbiss bei etwas Einsatz erfolgreich ist. 

Bewegt sich das Objekt der Begierde zu schnell, zu chaotisch, wird zu hoch geführt und scheint unerreichbar, taktiert der Hund. 

Er wird die Beute nicht mehr verfolgen, ökonomisch lauert er auf eine Gelegenheit oder versucht durch Abkürzen des Laufweges, gegebenenfalls auch durch Fremdbeißen die Beute zu sichern. 

Der Hundeführer ist in der Pflicht, das Spiel so zu gestalten, dass der Hund immer eine reelle Chance hat, die Beute zu ergreifen. Ist er schnell genug und kann schon in den ersten Sekunden anbeißen, freut man sich über einen tüchtigen Hund und es beginnt die Phase des Beutestreitens. 

Facettenreich ist der Kampf um die Beute – abgeschaut aus der Natur finden sich viele unterschiedliche Elemente darin.

Hund glaubhaft gewinnen lassenDa gibt es den Peitschenschlag, ein ruckartiges Ziehen, um dem unaufmerksamen Gegner das Spielzeug zu entreißen, das Nachfassen, um den Griff des Hundes zu verdrängen, das Nachfassen mit dem Ziel, den Griff zu verbessern, gemeinsam parallel Laufen mit der Beute, das Totschütteln, der Bodycheck, der den Konkurrenten aus dem Gleichgewicht bringen soll, das Täuschen, indem man die Aufmerksamkeit von der Beute ab und auf etwas anderes lenkt und im richtigen Moment die Beute entreißt. Der Hundeführer geht auf Konterversuche des Hundes - und seien sie noch so klein  - ein, lässt sich mitziehen, gibt dem Zug nach und bestärkt den Hund in seinen Anstrengungen, um in einem Moment des deutlichen Einsatzes überzeugend besiegt zu werden. Zum Fairplay gehört auch, dass der Hund auf seinen vier Beinen spielen darf, das Gleichgewicht und seine Sicherheit behält.  Abrupte Auf- und Abbewegungen, die die Wirbelsäule verletzen können, sind Tabu. 

 

Woran erkenne ich ein gutes Spiel?

Ein gutes Spiel ist ausgewogen, abwechslungsreich, phantasievoll, chancenreich, überraschend, unvorhersehbar und vor allem emotional. Der Hundeführer verwandelt sich in den verschiedenen Spielphasen von der Beute, zum Konkurrenten, hin zum Bewunderer. Er durchlebt mit seinem Hund die Phasen des Beutejagens, des Kämpfens um die Beute und das stolze Tragen und Zurschaustellen des eroberten Objektes. 

ein gutes Spiel

Im Fall von Futter endet das Spiel im Moment des Gewinnens. Bei Beute kann durch Tauschen gegen Futter das Spiel beendet werden oder eine zweite, belebte Beute lässt in einer neuen Jagd mit dem Hundeführer das Spiel neu aufleben. 

Oft vergessen werden die Rauf- und Rangelspiele. Der Natur über die Schulter geschaut, bringen sie den sozialen Faktor in den Mittelpunkt des Spiels. 

Körperliches Spiel ohne Objekt, mal rauh, mal sanft, unter Umständen vermischt mit Einordnungselementen,  bietet ein breites Spektrum an sozialem Miteinander. Dabei ist auch das vorsichtige "ins Maul nehmen" der Hände erlaubt. Die verschiedenen Varianten machen das Spiel in Intensität und Emotionalität variierbar.

Gegenpol zu einer hohen Motivation sind Autorität und Regeltreue. Das Einfordern der Spielregeln verhindert das Ausufern des Spiels, die Konditionierung eines Unterbrechungssignals dient als Instrument, mit dem der Hund, ohne die positive Stimmung des Spiels zu verlassen, kontrolliert werden kann. 

Wichtig dabei ist, dass ein im täglichen Leben selten vorkommendes Signal oder Zeichen mit einer spannungsgeladenen Lauerstellung verknüpft wird.

Dieses Verharren entlädt sich durch einen Auslöser in ein weiteres Jagdspiel und lässt den Hund, bei gutem Aufbau, in großer Erwartung einfrieren. Die während der Unterbrechung weitergeführte Kommunikation hält das Band zwischen Hundeführer und Hund aufrecht. Selbst ein unerwünschtes Verhalten kann bei weiterhin positiver Gestimmtheit so unterbrochen werden. Dabei dient das Unterbrechungssignal als Korrekturmittel ohne einen Stimmungswechsel herbeizuführen.

Wem es gelingt, sich mit seinem Hund auf ein emotionales und erfüllendes Spiel einzulassen, erlebt eine neue Qualität des innerartlichen Miteinanders. Es lohnt sich!

 

 

 

Literatur Sachser, N. (2004). Neugier, Spiel und Lernen: Verhaltensbiologische Anmerkungen zur Kindheit. Zeitschrift für Pädagogik, 50, 475–485.

Quelle: http://psychologie-news.stangl.eu/182/neugier-spiel-und-lernen © Werner Stangls Psychologie News

 

 

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