VDSV Spitzenteams haben Lauf im Griff

Die VDSV offene Deutsche Meisterschaft 2022

Lautes Hundegebell schallte am ersten Dezember-Wochenende durch die Wälder von Schönberg. Bei Lauf an der Pegnitz fand in diesem Jahr die offene Deutsche Meisterschaft des VDSV statt, zu der 190 Teams aus ganz Deutschland und einige wenige aus der Schweiz und aus Österreich angereist waren.

4,4 Kilometer galt es für die Monoklassen und 4,6 Kilometer für die Gespannklassen, also alle mit mehr als einem Hund im Zug zu absolvieren. Das Ganze natürlich zweimal, denn i.d.R. werden immer zwei Heats gewertet. Der Wettkampf startete am Samstag, als pünktlich um 8:45 Uhr das erste 8er-Gespann die Startlinie passierte.

Zwei Dinge waren für mich schnell klar: Erstens: wenn man so ein Event noch nie besucht hat, ist es schon beeindruckend an der Strecke zu stehen, wenn die Gespanne vorbeiziehen. Alle Hunde sind hochkonzentriert bei der Aufgabe, die daraus besteht, Vollgas zu geben und auf den Musher zu hören. Der lenkt mit Kommandos das Gespann, sagt alle Tempo- und Richtungswechsel an. Die wichtigsten Kommandos sind „rechts“ und „links“, „halt“ natürlich und „warten“. Jeder Musher hat dafür seine eigenen Begriffe. Zweitens: es wird ein langer, kalter Tag im Wald.

 

Wertungsklassen – da muss man erstmal den Überblick behalten

Im Zughundesport werden alle Klassen mit Gerät, also die mit Scooter, Bike und Wagen, immer in zwei Kategorien gewertet. Die erste wäre die „Nordic breed“-Kategorie RNB, die für alle reinrassigen Schlittenhunderassen. Auch hier gibt es dann noch einmal eine Spezifikation, wobei meist nur, wie in Lauf auch, die Klasse 1 (RNB1): Huskys am Start ist. In der Klasse 2 (RNB2) wären dann alle anderen Schlittenhunderassen wie beispielsweise Samojeden, Malamute etc., aber die sieht man in Dryland-Rennen eher selten.

Die zweite Kategorie ist die NPB „no nordic Breed“, in der also alle anderen Hunde gewertet werden, auch Mischlinge. In dieser dominieren die Hounds, aber theoretisch könnten auch 8er Gespanne nur mit Malinois laufen oder gemischte Rudel.

VDSV Deutsche Meister 2022

Und noch etwas wird auch dem laienhaften Zuschauer gleich klar: die richtigen Flitzer sind die NPBs, die den Reinrassigen in allen Klassen Zeit abnehmen. Naja, nun sind die reinrassigen Schlittenhunde, die der Laie sich vor dem Gespann vorstellt, auch eher die, die Distanzrennen bestreiten, also auf Ausdauer gezüchtet sind. Husky und Co. laufen eher bei Etappenrennen, an denen pro Tag auch mal bis zu 50 Kilometer (in Europa) zurückgelegt werden müssen. 

Diie RNB-Klassen wurden in Lauf nicht nach Mushergeschlecht getrennt gewertet, wie in den NPB-Klassen. Dafür wären mindestens je fünf Starter erforderlich gewesen wären. In den Gespannklassen ist das generell nicht der Fall. Im CaniX-Run wiederum ist es egal, welcher Hund aus welcher Kategorie vorgespannt ist. Nicht so ganz leicht also mit dem Durchblick!

Die Deutsche Meisterschaft bot also in 16 verschiedenen Wertungen die Möglichkeit auf den Titelgewinn.  

 

Vorbereitung und AblaufDaniela Zeller

Für die Veranstaltung stand großzügiges Gelände rund um den Sportverein Schönberg zur Verfügung. Es gab zwei Stakeouts, die die Gespannklassen und die Monoklassen „trennten“. Daniela Zellmer bewertete ihren Platz als „großzügig und nahe am Startbereich, was für große Gespanne nicht ganz unwichtig ist. Ich war da sehr zufrieden.“ Auch mit der Organisation war sie grundsätzlich zufrieden, beanstandet nur den Informationsfluss, zum Beispiel bezüglich der Startzeiten, die nur via Internet bereitstanden. „Das war etwas unglücklich, denn die Verbindung mit dem Handy war dort echt schlecht.“

Die Startabstände sind auf so einer Meisterschaft eng getaktet. Die 8er und 6er Gespanne fuhren im Abstand von zwei Minuten los, alle anderen Klassen wurden minütlich gestartet. Man versuchte, die schnellsten immer an den Anfang zu stellen, damit es möglichst wenige Überholvorgänge gibt. Denn die kosten nicht nur wertvolle Sekunden, sondern können auch stressig werden, wenn beispielsweise der Trail nur drei Meter breit ist und ein schnelleres Gespann vorbeiziehen will.

 8er Gespann von Daniela Zeller

„Wie schwierig sich das Überholen gestaltet, ist auch von dem abhängig, der überholt wird...“, sagt mir Daniela und resümiert das stellvertretend für alle Starter. „...ob er mitdenkt und abbremst, wenn man neben ihm ist und natürlich auch, ob die Hunde sauber sind. Grundsätzlich benötigt man mit Gespann deutlich mehr Platz, als mit einem Mono-Hund, zum Glück sind die Startzeiten aber meist so, dass es in den großen Gespannklassen so gut wie nie zu Überholmanövern kommt.“

 

Nun, ich habe eines live erlebt und muss sagen, dass der überholte Thomas Hartmann mit seinem NPB-6er-Gespann sehr fair Platz gemacht hat, um Musherin Barbara Winzig den Vortritt zu lassen. An dieser Stelle war auch die Strecke breit genug.

 

  

Tolle Streckenführung kritsch betrachtet

Marc und Jule PrinsRabea Wening

Pia Schmalzbauer

Bezüglich der Strecken gab es einige Kritikpunkte, die auch für Laien wie mich nachvollziehbar sind. Sogar ich, die nur fotografieren wollte, bin die Strecke am Vortag abgelaufen, um einen ersten Eindruck zu gewinnen und mir „schöne Ecken“ zu suchen. Für die Musher, wie die Hundeführer im Zughundesport genannt werden, ist das Ablaufen aber immens wichtig, ja sogar „ein absolutes Muss“, sagt mir Rabea Wening die Drittplatzierte im Bikejöring der Damen, „weil wir im Rennen hohe Geschwindigkeiten fahren und die Hunde die Strecke besser schon kennen sollten.“ Und so sind auch Jule und Marc Prins am Vortag die Strecke mehrmals abgegangen. 

Grundsätzlich haben die Strecken den gefragten Teilnehmern gefallen. „Sie waren sehr abwechslungsreich, mit kniffligen Passagen und einer Meisterschaft würdig“, urteilen Jule und Marc Prins. 

Pia Schmalzbauer liebte ebenfalls den technischen Anspruch und Rabea Wening bewertete die Strecke als potentialreich und top, auch mit flachen und schnellen Abschnitten. „Allerdings hätte man sich das Schotterstück, direkt am Anfang sparen können und auch auf dem letzten Stück bergab lag sehr viel grober Schotter. Da ist bei den hohen Geschwindigkeiten, gerade auf dem Bike, das Verletzungsrisiko sehr hoch.“ Jule Prins sieht das genauso und fügt hinzu, dass das alles andere als optimal war und sie diesen Untergrund auch im Training möglichst meiden.“

Auch die Sicherheit wurde insgesamt bemängelt. „Sicherheit ist super wichtig.“, alle sind sich darüber einig. „Besonders das Bikejöring ist mittlerweile auf einem Niveau, wo die Topfahrer mit ihren Hunden Leistungen und Geschwindigkeiten abrufen, bei denen kleinste Fehler schwere Stürze verursachen können.“ sagt Rabea und macht damit deutlich, dass die Strecken deswegen auch gut gesichert und gekennzeichnet werden müssen. „Die Monostrecke war zum Teil sehr schlecht abgeflattert und zum Teil auch gefährlich abgeflattert.“ Auch Streckenposten waren viel zu wenige auf der Strecke. Nicht nur ich hatte während des Rennens ahnungslose Spaziergänger auf der Strecke, die mich im Rennen behindert haben. Das kann vielleicht auf einem Wald- und Wiesentunier passieren, aber nicht auf einer Deutschen Meisterschaft.“

Auch die Prinsen sehen das so: „Es hätte ruhig ein paar mehr Orientierungen geben können, mehr Flatterband, mehr Absperrungen an Wegkreuzungen. Und es war wirklich viel zu viel los war auf der Strecke. Da war doch einiges an Spaziergängern unterwegs. Wir sind ja schon mit hohen Geschwindigkeiten auf den Waldwegen unterwegs und es ist natürlich wünschenswert, wenn es mit gegenseitiger Rücksichtnahme klappt und es keine Unfälle gibt. Vielleicht könnte man im Vorfeld eines Rennens mehr Hinweisschilder aufhängen und am Renntag selbst, mehr Streckenposten, die darauf hinweisen. Die fand ich im Allgemeinen sehr rar, auch wenn ich weiß, wie schwer es ist, Helfer zu finden.“

Auch Pias Bikehund Ota ist am Samstag einmal falsch abgebogen. „Am 2. Tag waren die Strecken etwas besser abgeflattert, deutlich sichtbarer und dadurch sicherer, was den jungen Hunden sehr geholfen hat.“ 

 

Jule Prins mit Wilde

Pia Schmalzbauer

Rabea Wening

Teamerfolgt zählt bei der Aufstellung

8:31,8: das war die schnellste Zeit in der Klasse Scooter mit einem Hund und 7:54,9 die schnellste Zeit in der Klasse Bikejöring. Beide Zeiten haben gemeinsam, dass sie von derselben Musherin erreicht wurden. Jule Prins ist damit nicht nur in beiden Disziplinen die Deutsche Meisterin 2022, sie ist auch in beiden Klassen die Schnellste überhaupt, weil auch die Sieger der Männerwertungen einige Sekunden verloren haben. Also musste sich auch ihr Mann Marc seiner schnellen Frau geschlagen geben, krönte sich aber als Scooter-König der Männer und gewann beide Klassen, die mit einem Hund und die mit zweien. Beide Prinsen haben damit ihre Titel aus dem Vorjahr verteidigt und fuhren aus Lauf mit vier neuen heim.

Die Prinsen setzen in ihrem Rudel auf Mädels. Ihre sportliche Basis aus der Vergangenheit ist hilfreich, aber die Leidenschaft am Tun und ein gutes „Management der Hunde“ ist entscheidend. Vor jedem Rennen überlegen beide gemeinsam, wer mit welchem Hund auf die Strecke geht. Diese Entscheidung ist abhängig von der eigenen Konstitution, von der Strecke selbst und auch von den Startzeiten, die sehr temperaturbelastend sein können. „Wir möchten jedem Hund das perfekte Rennen bieten. Wenn ein Hund eigentlich für Scootern vorgesehen ist, diese Disziplin aber im Zeitplan erst am Nachmittag startet, dann kann es sein, dass die Temperaturen für diesen Hund schon zu hoch sind, weil dieser wärmeempfindlicher ist, als ein anderer aus unserem Rudel.“ Wichtig ist den Prinsen, dass sie im Team erfolgreich sind. 

Genauso sieht das auch Rabea Wening, für die es die erste richtige Bikesaison war und für die sie super hart mit ihrer Hündin Champ trainiert hat. Leider hat sich diese dann am Anreisetag verletzt. „Das hat mich emotional natürlich aus der Bahn geworfen“, sagt Rabea. „Mein Mann hat dann auf seinen Start verzichtet und mir "seinen" fünfjährigen Bikehund Zorro gegeben. Und das hat sich am Ende auch bezahlt gemacht, den Rabea und Zorro haben mit Platz 3 hervorragend abgeschnitten.

Pia Schmalzbauer ist mit einem fünften und einem siebenten Platz von ihrer ersten DM heimgefahren. Und das, obwohl ihr Scooter fahren eigentlich zu anstrengend ist. Die Frage, warum sie in der Klasse Scooter mit zwei Hunden unterwegs ist, ist damit eigentlich beantwortet. „Außerdem“, fügt sie trotzdem noch hinzu „ist Scootern mit zwei Hunden auch eine sehr gute Möglichkeit, die Hunde auszulasten. Und da ich nur so Schlumpfen-Hounds habe, die um die 26 kg wiegen, tun die sich zu zweit natürlich leichter. Ihre zwei noch jungen, Hounds Lily und Féli haben ihre Sache also ganz gut gemacht und sich in der Laufzeit im zweiten Heat sogar nochmal gesteigert. Ein falsches Abbiegen im Samstagsrenner auf dem Bike hat der Musherin ganz schön Zeit gekostet. Trotzdem schafften Pia und Ota im Bikejöring die Strecke in einer Gesamtzeit von 17:26,2 zu bewältigen, was die Hälfte der Teilnehmer aus der Männerkonkurrenz nicht geschafft hat. Trotzdem möchte sie ab dem nächsten Rennen dann in der Gespann-Klasse starten.

Für Daniela Zellmer ist ein „Management der Hunde“ eher die Frage des Einspannens. Sie hat „nur“ acht aktive Laufhunde und wenn alle fit sind, startet sie mit denen auch in der 8er Gespannklasse, so wie in Lauf. In jedem Gespann gibt es immer Leader, also Führungshunde, die besonders aufmerksam dem Musher „zuhören“ und folgen. Daniela hat den Luxus, mehrere zu haben, was ihren anfänglichen Starts im Bike- und Scooterjöring geschuldet ist. Hauptsächlich sind ihre zwei Hounds Boreas und Chaos, beide 2016 geboren, die Leader und die führten die anderen zu Platz 2 in der Gesamtwertung. Aus ihrem Sommerwurf hat sie fünf Welpen behalten, mit denen sie in Zukunft auch weiterhin aktiv bleiben möchte.

 

Jeder hat also noch Ziele und ich hoffe, man sieht sich mal wieder! Mir jedenfalls hat es gefallen, bei diesen Sport mal live zu dabei zu sein und das Adrenalin der Musher zu spüren, wenn die Gespanne, Biker und Scooter mit hohem Tempo an der Linse vorbeiziehen. Ich hoffe, die Laufer Truppe organisiert mal wieder ein solches Event. Dann bin ich auch da!

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