Ist der Clicker doch keine Wunder"waffe"?

Ein Forschungsteam hat mit untrainierten Hunden die Wirksamkeit der primären Verstärkung, der sekundären Verstärkung durch Stimme und der sekundären Verstärkung durch Clicker verglichen. Die Ergebnisse ihrer Studie mögen für einige überraschend sein – und sie regen gezielte weitere Untersuchungen an.

Das Clickertraining reicht als Methode des operanten Konditionierens zurück in die 1940er Jahre, doch erst ab den 1900ern begann sie ihren Siegeszug in der Hundeausbildung. Im Gespräch mit anderen Hundemenschen konnte man in der Zwischenzeit manchmal das Gefühl bekommen, die Methode würde als allein seligmachende Form der Ausbildung propagiert – so manche Clickeranhänger zeigten regelrecht fanatische Züge, wenn es um diese für sie einzig wahre Ausbildungsmethode ging. Doch ist sie das wirklich?

Ein US-amerikanisches Forschungsteam der Arizona State University wollte das ein für alle Mal objektiv klären und hat mit einer ausgeklügelten Versuchskonstellation die Lernerfolge bei verschiedenen Formen der positiven Verstärkung verglichen: die sekundäre Verstärkung durch Clicker (Click plus Futter), die sekundäre Verstärkung durch Stimme (Stimmlob plus Futter) und die primäre Verstärkung (nur Futter). 

Der Ansatz

Die Forscherinnen und Forscher wollten herausfinden, ob das Clickern in bestimmten Lernsituationen eventuell dazu führt, dass ein neues Verhalten schneller oder besser gelernt wird als mit anderen Lernmethoden. Sie gestalteten zu diesem Zweck drei verschiedene Versuche.

In jedem der drei Versuchsdesigns verglichen sie drei unterschiedliche Methoden der positiven Verstärkung mithilfe von jeweils drei Hundegruppen: Eine Hundegruppe wurde mit der primären Verstärkung durch Futter ausgebildet, eine zweite Hundegruppe mit der sekundären Verstärkung durch Stimmlob plus Futter und die dritte Hundegruppe mit der sekundäre Verstärkung durch Clicker plus Futter. 

Die ausgewählten Hunde

Die Experimente der verschiedenen bisherigen Studien unterscheiden sich in ihren Herangehensweisen, Versuchsdesigns und insbesondere den teilnehmenden Hunden, sodass sie sich nicht sinnvoll miteinander vergleichen lassen. Das ist leicht nachvollziehbar: Aus der Alltagspraxis heraus sollte es keinen Hundemenschen verwundern, dass ältere Hunde anders lernen als jüngere, bereits ausgebildete anders als nicht ausgebildete, autark auf den Straßen einer Stadt im Mittelmeerraum aufgewachsene anders als von klein auf vom Züchter aktiv in eine bestimmte Richtung geprägte Welpen aus einer Gebrauchshunde- oder reinen Ausstellungszucht. Diese und viele weitere Parameter können es schnell unmöglich machen, durch einen Vergleich herauszufinden, um wie viel die eine oder andere Methode vielleicht besser oder schlechter funktioniert als eine andere. 

Das Forscherteam aus Arizona hat daher nicht nur verschiedene Lerninhalte konzipiert, um zu prüfen, ob bestimmte Dinge mit einer bestimmten Methode leichter erlernbar sind als andere, sondern vor allem auch die Auswahl der Hunde penibel durchdacht und umgesetzt. Die Kriterien waren einheitlich:

  • 8-22 Wochen alt
  • Keine Krankheiten, keine Verletzungen, keine Narkotika im Körper
  • Alle aus Aufnahmeeinrichtungen der Arizona Humane Society 

 

So sollte sichergestellt werden, dass alle Hunde in einem vergleichbaren Umfeld unter vergleichbaren Bedingungen leben, sie körperlich die gestellten Aufgaben würden erfüllen können und eine vorherige Ausbildung sehr unwahrscheinlich war. Hunde, die im Verlauf der Versuche ein Verhalten zeigten, welches darauf schließen ließ, dass doch bereits erworbenes Wissen vorliegt und sich auf den zu testenden Lernprozess auswirkt – diesen also verzerrt hätte –, wurden aus der Studie herausgenommen und nicht in die Auswertung einbezogen. Das galt auch für Hunde, die den primären Verstärker nicht fraßen, erkrankten oder nach einer festgelegten Trainingszeit keinen ersten Lernerfolg zeigten. Jeder der verbleibenden Hunde nahm nur an einem der drei Versuche teil und wurde nach dem Zufallsprinzip einer der Gruppen zugeteilt.

Die Versuchsdesigns

Der Versuchsleiter, also Trainer, war bei allen Hunden immer die gleiche Person. Mit den Hunden wurde nicht direkt nach einer Fütterung gearbeitet. Die Anzahl der Durchläufe war festgelegt und für alle Hunde gleich. Die Versuche fanden im gleichen Raum im einem je Versuchsdesign gleichbleibend abgesteckten Bereich statt.

Versuch 1: Drei Gruppen mit je 30 Hunden wurde das Absitzen beigebracht und dieses dann zunehmend lange gefordert. 
Gemessen wurde: Wie lange bleibt der Hund sitzen?

Versuch 2: Drei Gruppen mit je 25 Hunden wurde zunächst beigebracht, mit der Nase ein Target zu berühren, und anschließend, dieses Verhalten mit zunehmender Entfernung vom Versuchsleiter zu zeigen. 
Gemessen wurde: Wie ist der Lernverlauf des Hundes beim Shapen des Verhaltens, und was ist die größte Entfernung, in der der Hund das Target berührt?

Versuch 3: Drei Gruppen mit je 30 Hunden wurde zunächst beigebracht, mit der Nase eine Reihe von Targets und anschließend einzelne Targets aus der Reihe zu berühren. Die Schwierigkeit der Aufgabe – welche Targets bzw. welches Target – steigerte sich im Verlauf des Versuchs. 
Gemessen wurde: Wie ist der Lernverlauf des Hundes beim Shapen des Verhaltens, wie lange braucht er bis zur jeweiligen Aufgabenerfüllung, und wie viele Versuche benötigt er während der verschiedenen Shaping-Durchgänge?

Bewertet wurde vereinfacht gesagt jeweils, wie schnell ein Hund das gewünschte Verhalten lernt und es sich beim ihm festigt. Das dritte Versuchsdesign sollte dabei überprüfen, ob der Clicker als sekundärer Verstärker dem Hund ein besseres Lernen ermöglicht, wenn es um die Detailgenauigkeit eines Verhaltens geht – hier also nicht das generelle Berühren des Targets, wie im zweiten Versuchsdesign, sondern das Berühren eines bestimmten (wechselnden) Targets unter vielen. 

Ergebnisse und Fazit 

Versuch 1: Die Gruppe, die nur einen primären Verstärker erhielt, erzielte einen signifikant – also klar messbar – größeren Trainingserfolg als die Gruppe, die mit einem verbalen sekundären Verstärker ausgebildet wurde. Die Leistungen der Gruppe mit dem Clicker als sekundärem Verstärker bewegte sich zwischen den beiden anderen Gruppen, unterschied sich von beiden aber jeweils nicht signifikant.

Versuch 2: Es wurden insgesamt keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den drei Gruppen gefunden. Das Forschungsteam weist jedoch darauf hin, dass, um die Unterschiede zwischen den Gruppen in der Ausprägung des Zielverhaltens getrennt vom distanzbezogenen Verhalten zu analysieren, die statistische Aussagekraft in diesem Experiment nicht ausgereicht habe. Sie empfehlen weitere Studien mit größeren Stichproben, um die Leistung beim anfänglichen Shapen und die späteren Lernerfolge beim Distanztraining getrennt voneinander betrachten zu können.

Versuch 3: Hier waren keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen erkennbar.

Für das Forschungsteam weisen die Ergebnisse aus allen drei Versuchsdesigns darauf hin, dass sowohl die primäre Verstärkung allein als auch die sekundär Verstärkung mit Stimme oder Clicker zum Erlernen neuer Verhaltensweisen in der Hundeausbildung erfolgreich eingesetzt werden können. Mit Ausnahme des Experiments 1, bei dem die Gruppe der primären Verstärkung durchschnittlich eine längere Sitz-Bleib-Dauer zeigten als die Gruppe mit sekundärer Verstärkung durch Stimme, sei keine der drei getesteten Methoden insgesamt signifikant effektiver als die anderen.

Das Forschungsteam zieht das Fazit: Es habe sich kein Beweis für die Annahme gefunden, dass durch das Clickern ein neues Verhalten schneller oder besser gelernt wird als mit reiner Futterbelohnung oder dem Stimmlob plus Futter.

Der Ausblick des Forschungsteams

In ihren drei Versuchsdesigns konnte das Team nur einen kleinen Ausschnitt der Möglichkeiten untersuchen, wie der Clicker in der Hundeausbildung eingesetzt werden kann, denn mit dem Clicker lassen sich sicherlich weitaus komplexere Verhaltensweisen trainieren als die hier abgefragten. Bislang jedoch weist nichts darauf hin, dass diese Verhaltensweisen nicht ebenso effizient mit einer anderen Verstärkungsmethode trainiert werden könnten. 

Das Forschungsteam regt weitere Versuche an, die untersuchen sollten, wie geclickerte Hunde bei verschiedenen Aufgaben abschneiden. Dabei sollten auf zwei Dinge besonderes Augenmerk gelegt werden: erstens, wie das Clickertraining unter Realbedingungen funktioniert, wobei allerdings sicherzustellen ist, dass die Ergebnisse objektiv und unabhängig von den vorgefassten Meinungen der Hundehalter und Trainer gemessen werden können. 

Zweitens geht das Team explizit auf die Rolle der Verzögerung ein, bis der Hund den Verstärker erhält. Die Studie hat die Verzögerungszeiten bei den drei Versuchsdesigns in allen jeweils drei Hundegruppen erfasst und damit erstmals direkte Vergleichswerte zwischen dem Clickern und anderen Methoden der positiven Verstärkung ermittelt – doch sie liefern in den Versuchen 1 und 2 Ergebnisse, die etablierten Laborstudien widersprechen: Diese haben seit Iwan Pawlow gezeigt, dass eine schnellere Verstärkung zu einem besseren Lernerfolg führt. Das Forschungsteam schlägt daher vor, gezielt die Frage der Verzögerung zu untersuchen, indem in Versuchsdesigns die Verzögerungszeiten bei der sekundären und primären Verstärkung beeinflusst werden.

Der umfassende Fachartikel über die Studie ist im englischen Original im Internet frei verfügbar. Dort finden sich leider keine Bilder der Versuchsszenen, allerdings genaue Auflistungen der Hunde, detaillierte Beschreibungen aller erhobenen Parameter, zahlreiche Vergleiche zu anderen Studien zum Thema, grafische Darstellungen der Versuchsaufbauten, eine lange Quellenliste und viele weiterführende Informationen. 

 

 

Quellen:

Studie: Gilchrist, Rachel J.; Gunter, Lisa M.; Anderson, Samantha F.; Wynne, Clive D. L. (2021). „The click is not the trick: the efficacy of clickers and other reinforcement methods in training naïve dogs to perform new tasks“. PeerJ 9, 22. Februar 2021 (https://doi.org/10.7717/peerj.10881), Zugriff am 30. März 2021.

Geschichte des Hunde-Clickerns: „Modern Training and Clicker Training for Pet Owners“. History of Behavior Analysis (https://behavioranalysishistory.pbworks.com/w/page/39996759/Modern-Training-and-Clicker-Training-for-Pet-Owners), Zugriff am 30. März 2021.

 

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