Die Fütterung von Sporthunden

Kaum ein Thema ist so umstritten in der Hundeszene, wie die Ernährung der geliebten Vierbeiner. Es gibt viele Möglichkeiten, genauso viele Meinungen und natürlich gibt es die Meinungsverschiedenheit auch im Hundesport. Denn Hundesportler sind vor allem zuerst einmal eines: Hundebesitzer, die nur das Beste für ihren vierbeinigen Partner wollen. 

 

Manch einer vertraut auf Fertigfutter, welches auf den Bedarf des Sporthundes zugeschnitten ist. Andere setzen auf selbst zubereitete Mahlzeiten, die sie je nach Einsatz des Hundes anpassen. Die einen halten es locker und füttern ihre Sporthunde nicht anders, als andere Hunde auch. Die anderen füttern vor Turnieren gezielt Babybrei und kochen Knochenbrühe.

Aber was ist denn nun richtig? Wer abseits von Erfahrungswerten zur Fütterung von Sporthunden nach wissenschaftlichen Belegen sucht, stellt vor allem eines fest: Es gibt kaum welche. Die meisten Studien zu dem Thema beziehen sich auf Greyhounds und Schlittenhunde. (Hill) Die Studienlage zur Fütterung von Hunden, die Agility, IPO oder ähnlichen Leistungssport machen, ist dagegen ziemlich dürftig. Das führt dazu, dass diese Studien auch nur begrenzt vergleichbar sind. Schon die Rassenvielfalt führt dazu, dass die Hunde einen unterschiedlichen Bedarf haben. (Mullis et al.) 

So haben Greyhounds eine besondere Verteilung von Muskel- und Fettgewebe in der Relation zum Gesamtkörper. Auch der Aufbau ihrer Muskeln ist anders als bei anderen Hunderassen. Alles ist darauf angelegt, dass diese Hunde über eine kurze Strecke ein hohes Tempo erreichen. Dies führt dazu, dass sie einen anderen Bedarf haben als andere Hunde. Studien an Greyhounds können trotzdem wichtige Hinweise geben. Man sollte sich jedoch davor hüten, ihnen eine zu große Bedeutung beizumessen. (Hill)

 

Hund sitzt im FutterhaufenKalorienbedarf von Sporthunden

Interessanterweise richtet sich der Kalorienbedarf der Hunde nicht nach der Anstrengung der körperlichen Aktivität, sondern nach der gelaufenen Strecke. Greyhounds haben in der aktiven Rennsaison lediglich einen 10% höheren Kalorienbedarf als ihre „nicht rennenden“ Artgenossen. 

Empfohlen wird für Sportler auf kurzen Strecken (Agility, Flyball, Obedience usw.) lediglich eine geringe Erhöhung der Kalorienzufuhr (max. 25%), bei Sportlern auf Mittelstrecken (BikeJöring, Jagd, Hüte-Trials usw.) eine moderate Erhöhung der Kalorienzufuhr und bei Sportlern auf Langstrecken (ab 15 km) eine hohe Steigerung der Kalorienzufuhr (100% und mehr). Der Kalorienbedarf wurde nicht in allen Sportarten untersucht. Es sind dementsprechend Schätzungen, die sich aufgrund der gelaufenen Strecke ergeben. (Wakshlag & Shmalberg)

Neben der Länge einer Strecke muss auch die Umgebung beachtet werden. Dazu zählen der Untergrund (feste Wiese, lockerer Schnee, Sand), die Außentemperatur und zu absolvierende Steigungen. Schlittenhunde, die zwölf Stunden bei extremen Minusgraden einen Schlitten durch unwegsames Gelände mit vielen Steigungen ziehen, können somit einen Energiebedarf haben, der achtmal höher liegt als der ihrer Artgenossen. (Shmalberg)

 

Energielieferanten bei Sporthunden

Hunde können ihren Energiebedarf aus Proteinen, Fett und Kohlenhydraten decken. Die optimale Zusammensetzung dieser drei Bestandteile variiert in Abhängigkeit von der Tätigkeit. Kurzstreckenläufer profitieren von einer Zusammensetzung aus:

  •   65g Proteinen pro 1000 Kalorien, 
  •   33g Fett pro 1000 Kalorien und 
  • 120g Kohlenhydraten pro 1000 Kalorien. 

 

Diese Zusammensetzung entspricht auch der Zusammensetzung von den meisten gewöhnlichen Futtermitteln und vielen selbst zubereiteten Mahlzeiten. Erfahrungsgemäß sind viele selbst zubereitete Rohfleischmahlzeiten stark fleischlastig und auch viele Hundesportler füttern gerne ein konventionelles Hundefutter mit einem sehr hohen Protein- und Fettanteil. Dies sollte im Zweifel jedoch überdacht werden. Je nach Länge der gelaufenen Strecke werden unterschiedliche Energiereserven genutzt. Eine angepasste Fütterung kann helfen, eine gute Leistung zu bringen.  (Wakshlag & Shmalberg)

Sheltie über Agility-Wand EO2015Langstreckenläufer dagegen profitieren von einem hohen Protein- und Fettgehalt zu Gunsten einem niedrigeren Gehalt an Kohlenhydraten. So hat eine Studie an Beaglen gezeigt, dass sie bei einer Fütterung mit viel Fett (mehr als 50g Fett pro 1000 Kalorien) auch nach 20 Meilen keine Erschöpfung zeigten, wohingegen bei einer Fütterung mit 33g Fett pro 1000 Kalorien sie bereits nach 15 Meilen erschöpft waren. (Downey et al.)

Bei der Wahl der Proteinquellen sollte auf hochwertige Eiweißlieferanten zurückgegriffen werden. Fleisch und Fisch sind gute Proteinquellen, wogegen pflanzliches Protein (wie z.B. Soja) nicht gut genutzt werden kann und es zu Veränderungen im Blutbild kommt.  (Wakshlag & Shmalberg)

Es gibt Hinweise darauf, dass eine Fütterung von einer kleinen Menge Kohlenhydraten innerhalb von 30 Minuten nach dem Einsatz des Hundes, ihm hilft zu regenerieren. Dies kann bei mehrtätigen Veranstaltungen sinnvoll sein. 

Bei Sprint- und Mittelstreckenläufern wird empfohlen, die Menge des Futters 24 Stunden vor dem Einsatz zu reduzieren. Für die Fütterung von kleinen Mengen Kohlenhydraten direkt vor dem Einsatz gibt es keine ausreichende wissenschaftliche Grundlage. (Wakshlag & Shmalberg)

 

Zusätze – ja oder nein?

Wer seinen Hund ausgewogen füttert, benötigt keine Mineralzusätze oder Vitaminpräparate. Im Gegenteil kann eine Überversorgung mit diesen sogar gesundheitsschädlich sein. Da Hunde nicht schwitzen, ist ein Mangel an Mineralien durch die sportliche Aktivität nicht zu befürchten. (Wakshlag & Shmalberg)

Die Studienlage zu diesem Thema ist nicht eindeutig, was zum einen daran liegt, dass eine Zufütterung von Präparaten abhängig davon ist, was gefüttert wird. Zum anderen sind Hunde, die nicht im Labor, sondern zu Hause bei normalen Hundehaltern leben, nicht gut kontrollierbar im Sinne eines Experiments. Weder lässt sich die Fütterung genau überwachen (man ist auf die Aussage der Hundebesitzer angewiesen), noch lassen sich weitere Faktoren gut kontrollieren, die einen Einfluss haben können. Eine Leistungssteigerung muss nicht vom Zusatzmittel kommen, sondern kann bspw. an einer Veränderung im Training liegen. Jeder Hundesportler weiß, wie viel Kleinigkeiten manchmal ausmachen können, die dem Menschen auch nicht unbedingt bewusst sein müssen.

Solche Faktoren lassen sich nur ausmerzen, wenn man sie streng kontrollieren kann (wie z.B. bei Hunden im Labor) oder man sie durch eine große Stichprobe herausrechnen kann. 

Eine Studie zur Supplementierung zur Steigerung der Konzentrationsfähigkeit von Fretwell et al. zeigt dieses Problem deutlich. In dieser Studie hat man junge Hunde (eins - dreieinhalb Jahre) und alte Hunde (elf bis 13 Jahre) verzweigtkettige Aminosäuren (BCAA) zugefüttert. Ein Prozedere wie es auch im Humanbereich im Kraft- und Ausdauersport bekannt ist. Die Hunde absolvierten insgesamt vier Agilityläufe, die aus drei bekannten und einem unbekannten Parcours bestanden. Die Hunde wurden in vier Bedingungen unterteilt: 

  • junge Hunde ohne Supplementierung, 
  • junge Hunde mit Supplementierung, 
  • alte Hunde ohne Supplementierung, 
  • alte Hunde mit Supplementierung. 

 

Zwischen den Bedingungen der jungen Hunde zeigte sich kein statistisch signifikanter Effekt. Jedoch machten die älteren Hunde mit Supplementierung weniger Fehler, als die älteren Hunde ohne Supplementierung. Das könnte eine tolle Studie sein, jedoch bestand sie nur aus 24 Hunden. Lediglich sechs Hunde gab es pro Bedingung. Dass die älteren Hunde mit Supplementierung nur zufällig besser waren, ist somit recht wahrscheinlich. Es lässt sich deswegen keinerlei Aussage darüber treffen, ob eine Zufütterung von BCAA bei älteren Hunden sinnvoll ist. Dieses Problem betrifft viele Studien in diesem Bereich. Eine entsprechende weitere Forschung wäre wünschenswert.

 

Fütterung des jungen Hundes und des Seniorhundes

Nur kurz angerissen werden soll die Fütterung von Hunden im Wachstum und älteren Hunden. Ob Sporthund oder Familienhund – ein junger Hund sollte langsam wachsen. Übergewicht und eine zu starke Belastung können zu Erkrankungen des Bewegungsapparats führen. Erst mit dem fertigen Knochenwachstum können die Anforderungen steigen und dementsprechend auch die Fütterung angepasst werden. 

Seniorhunde haben oft mit Muskelabbau zu kämpfen und können Nährstoffe nicht mehr gut aufnehmen und verwerten. Daraus ergibt sich ein erhöhter Bedarf an Nährstoffen, inklusive Proteinen. 

Der ältere Sporthund, der sich genauso viel bewegt wie seine jüngeren Artgenossen, sollte auch entsprechend ernährt werden! Um die Proteinzufuhr zu gewährleisten, sollte auf hochwertige Proteinquellen geachtet werden. Konventionelle Futtersorten die protein- und fettreduziert sind, sind somit nicht ratsam. Erst wenn der Hund anfängt zuzunehmen, weil er sich weniger bewegt, sollte man die Fütterung umstellen. (Wakshlag & Shmalberg)

 

Welpe knabbert PansenFazit

Die Fütterung von Sporthunden ist bisher noch wenig in das wissenschaftliche Interesse gerückt. Viele Studien haben kleine Stichproben oder sind nur begrenzt vergleichbar, da nur bestimmte Rassen oder Sportarten untersucht wurden. Ihre Aussagen können vorsichtig als Empfehlung genutzt werden.

Vermutlich ist es nicht notwendig, bei Hunden die Agility, Obedience oder ähnliche Sportarten betreiben, allzu viel Aufhebens um die Ernährung zu machen. Ein Agilityparcours von 100-200 m, der in weniger als einer Minute durchlaufen ist, benötigt nicht derart viel Energie, um ihn zu absolvieren, wie ein 20 Kilometer-Lauf mit Steigungen und schwierigem Gelände. 

Die Hoffnung auf Erfolg aus dem Futternapf dürfte somit für viele Sportler eben nur eine Hoffnung bleiben. Wie so oft ist ein gut durchdachtes Training wichtiger und gibt eher den Ausschlag dafür, ob ein Turnier oder eine Prüfung gewonnen wird oder nicht. 

 

 

 

 

 

Quellen:

  • Downey, Kronfeld & Banta (1980): Diet of beagles affects stamina. In Journal of the American Animal Hospital Association, 16. 273-277.
  • Fretwell, Laura K.; 
  • McCune, Sandra; Fone, Janel V. & Yates, Debby J.(2006): The Effect of Supplementation with Branched-Chain Amino Acids on Cognitive Function in Active Dogs. In Journal of Nutrition. 2069-2071.
  • Hill, Richard C. (1998): The Nutritional Requirements of Exercising Dogs. In Journal of Nutrition, 128. 2686-2690.
  • Mullis, Rebecca A.; Witzel, Angela L. & Price, Joshua (2015): Maintenance energy requirements of odor detection, explosive detection and human detection working dogs. In PeerJ DOI 10.7717/peerj.767.
  • Shmalberg, Justin (2014): Canine Performance Nutrition. In Today’s Veterinary Practice. 72-76.
  • Wakshlag, Joseph & Shmalberg, Justin (2014): Nutrition for Working and Service Dogs. In Veterinary Clinics: Small animal practice, 44. 719-740.

 

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