Turne bis zur Urne

Bewegungsmangel trotz Hundesport?  

 

Weitverbreitete Problematik: Rückenschmerzen

Wenn es um die Fitness unserer Vierbeiner geht, sind wir Hundesportfreunde in der heutigen Zeit extrem engagiert: Aufwärmen, Kräftigungsübungen, physiologisch gerechte Anpassungen der Prüfungsordnung – es wird kaum ein Aufwand gescheut, um unsere oftmals verwöhnten Hausgenossen im Sport nicht zu überlasten. Letztendlich sind wir ja auch diejenigen, die das gemeinsame Hobby auswählen. Und stehen deswegen in der Verantwortung. Aber wer denkt dabei an sich selbst?

Es ist eine überpräsente Volkskrankheit und Mediziner schätzen, dass annähernd jeder Einwohner unseres Landes mindestens einmal im Leben damit zu kämpfen hat: der Hexenschuss. Und der kann uns so gründlich lahmlegen, dass an Hundesport gar nicht mehr zu denken ist. Erstaunlich dabei erscheint das generische Unwissen über Rückenschmerzen, obwohl es gerade im Alter zwischen 30 und 50 eine regelrechte Epidemie darstellt: „Sorry, ich hab' Rücken!“ Als Wohlstandskrankheit sind schätzungsweise 80% aller Einwohner einer Industrienation betroffen.

Nicht weiter verwunderlich, dass auch der flotte Hundesportler davon nicht verschont bleibt. Statt sich mit schmerzverzerrtem Gesicht in Bettruhe zu begeben oder alternativ mit noch verbissener Mimik zur Apotheke zu humpeln, um dann ein paar Pillen einzuwerfen, gibt es doch eine Menge präventiver Maßnahmen. Und „Erste Hilfe fürs Kreuz“ ist auch kein Hexenwerk!

 

Viel los im unteren Rücken – weh tut alles!

Beim „Hexenschuss“ handelt es sich nicht um eine konkrete Erkrankung des Bewegungsapparates, sondern um eine bereits aus dem Mittelalter bekannte, volkstümliche Zusammenfassung für „wie aus heiterem Himmel“ auftretende, stechende Schmerzsymptomatik im Lendenbereich. Medizinisch korrekt nennt sich dieses fiesliche „Hexenwerk“ Lumbalgie: von „Lumbus“ (=„Lende“) und „algie“ (=„Schmerz“) abgeleitet und modern als „LWS-Syndrom“ (von „Lendenwirbelsäule“) bezeichnet. Wenn so etwas diagnostiziert wird, habt ihr höchstwahrscheinlich einen ganz klassischen „Hexenschuss“.

Dass dabei keine bösartigen Mächte im Spiel sind, dürfte auf der Hand liegen. Zur Beruhigung für die gepeinigten Gemüter sei zudem erwähnt, dass man diese Erkrankung nicht bekommt, weil man „zu alt für den Kram“ wurde oder sich – noch schlimmer – selbst irreversibel körperlich ruiniert hat. Es handelt sich auch nicht um einen Bandscheibenvorfall, obwohl dieser erschreckende Gedanke angesichts der Schmerzqualität meist der erste Verdacht darstellt. Tatsächlich fühlt es sich ähnlich an – nur wird der Bandscheibenvorfall häufig von Taubheitsgefühlen, Kribbeln oder gar Lähmungserscheinungen in den Beinen begleitet. Die Ursache dieser Schmerzen und auch die Folgerisiken haben jedoch wenig miteinander gemein. Auch ein entzündeter Ischiasnerv, Arthrose im Hüftgelenk oder eine Blockade des Kreuzdarmbeingelenks (Med.: Iliosakralgelenk, ISG) finden zwar im benachbarten Bereich statt und können bis in den Rücken ausstrahlen, müssen aber nicht zwangsläufig involviert werden. Gesellen sich zu peinigenden Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und Taubheitsgefühlen noch Symptome wie Inkontinenz (ein blockiertes ISG kann beispielsweise Nerven reizen, die unsere Blase ansteuern), ist das ein wertvoller Hinweis zur letztendlichen Diagnose. Da lohnt sich „hinfühlen“ – Schmerzen sind schließlich ein wichtiges Warnsignal, keine Bestrafung.

 

Was passiert da in der Lendenwirbelsäule?

Die gute Nachricht ist: Der Hexenschuss stellt eine muskuläre „Rückengeschichte“ dar. In der Wirbelsäule verändert sich da also gar nichts. Es ist keine Bandscheibe „vorgefallen“, kein Wirbel gebrochen und trotz schmerzbedingt oft massivster Bewegungseinschränkungen wird das kein Dauerzustand bleiben – auch wenn man sich akut so fühlt, als könne man nie wieder aus dem Bett aufstehen.

Meist hat eine „ungeschickte“ Bewegung dazu geführt, dass ein Muskelstrang heftiger an seiner Aufhängung am Dornfortsatz gezerrt hat, als diese durch dessen Gegenspieler auszugleichen in der Lage war – die Folge davon ist ein Schutzreflex. Die Struktur verspannt sich blitzartig, um die Wirbelsäule zu schützen. Bewegen wir diesen Bereich generell zu wenig, verfügt er zudem nicht über die motorische Koordination, um im richtigen Moment in der richtigen Dosis anzuspannen – aber dann auch wieder loszulassen. Wir sprechen von der vielgerühmten „Tiefenmuskulatur“. Die steuern wir bewusst nicht an, das macht unser Bewegungszentrum selbstständig. Dafür braucht es jedoch von uns initiierte Bewegungsreize, denn von alleine trainiert sich das nicht.

Jetzt bewegen wir uns allerdings erst mal gar nicht mehr, denn die betroffenen Muskeln krampfen zusammen – und das setzt uns an dieser neuralgischen Position des unteren Rückens schlagartig außer Gefecht. Die Schmerzen sollen vor ernsthaften Verletzungen schützen, indem wir diese Bewegung zukünftig vermeiden. Die Crux daran – die Bewegung an sich war kein Problem. Das Problem rührt eher daher, dass wir unseren natürlichen Bewegungsumfang völlig unnatürlich reduzieren. 

 

Wer die Ursache kennt, kann sie beseitigen.

Im Mittelalter resultierte diese Plage vermutlich eher aus Überbelastung, Nährstoffmangel, arthritischer Abnutzungserscheinungen und Folge schlecht ausgeheilter Verletzungen. Dann eine falsche Bewegung – Zack. Übersinnliche Mächte mussten natürlich Schuld sein, denn anders ließ sich das überaus schmerzhafte Phänomen nicht erklären. Heutzutage sprechen Orthopäden und Physiotherapeuten dem anderen Extrem die Schuld zu: Bewegungsmangel.

Ja, auch der fleißige Hundesportler leidet unter Bewegungsmangel! Unser Bewegungsapparat funktioniert trotz der unterschiedlichen Statik ähnlich wie der unseres Hundes. Unsere Gliedmaßen werden von Muskeln, Bänder und Sehnen gestreckt und gebeugt, wir besitzen unterschiedlich funktionierende „Scharniere“ und die beweglichste Struktur ist dabei die Wirbelsäule: eine Kette vieler kleiner Gelenke, die durch noch mehr kleine Muskelgruppen stabilisiert wird. Dabei ist die ganze Struktur auch noch innen hohl, um die Nervenstränge des Rückenmarks zu schützen. Und damit diese komplexe Struktur weiterhin so genial funktioniert, wie die Natur es sich gedacht hat, möchte sie gerne täglich regelmäßig vom Aufstehen bis zum Schlafengehen bewegt werden. Denn dadurch erhalten die passiv versorgten Bereiche ihre notwendigen Nährstoffe. Eine Unterversorgung schwächt diese Bereiche und macht sie anfällig. Wollen wir dann unserem geliebten Hobby frönen, rächt sich diese Missachtung: die plötzliche Steigerung des Bewegungsumfangs kann dann zu ganz plötzlichen Schmerzattacken führen. Wir kämen auch nicht auf die Idee, unseren Hunden plötzlich das schwerste Apportierholz und die höchste Hürde vorzusetzen, obwohl er gerade mal verstanden hat, was „Hopp“ heißt – oder? Genau so behandeln wir jedoch oft unseren eigenen Körper, wenn uns Bewegungen zu selbstverständlich vorkommen. Und das geht schnell ...

 

„Turne bis zur Urne!“ (Prof. Dr. Grönemeyer)

Den ganzen Tag auf dem Bürostuhl, im Auto oder bei monotonen Bewegungsabfolgen einseitig beanspruchte Strukturen führen zu muskulären „Dysbalancen“ – wie Hippokrates ebenfalls schon wusste: „Was genutzt wird, entwickelt sich, was ungenutzt bleibt, verkümmert!”

In diesem Fall verkürzen bestimmte Muskeln und Bänder durch Überanspruchung, während die Gegenspieler dauerhaft überdehnen – und all das zerrt an der Haltemuskulatur der Wirbelsäule, die gleichzeitig unsere aufrechte Haltung sicherstellen muss. Im Lendenbereich findet sich hier ein physiologisches Nadelöhr: durch das Becken wird die dreidimensionale Hebe-Wurfbewegung der Beine ausgeglichen und durch die Wirbelsäule in eine seitliche Pendelbewegung eingefedert. Schultergürtel und Arme können durch Ausgleichsbewegungen balancieren helfen. Ansonsten würden wir bei jedem Schritt nach vorne auf die Nase fallen und müssten uns mit den Händen abstoßen. So bewegen sich allerdings unsere Hunde vorwärts. Bei Vierfüßlern gibt es also einen entscheidenden Unterschied: deren „Kruppenmuskel“ ist weitaus weniger stark ausgeprägt als bei uns. Die Rede ist vom Gluteus maximus, dem größten Gesäßmuskel und gleichzeitig stärkstem Strecker unseres Körpers. Teile dieses Muskels sorgen nämlich dafür, dass wir aufrecht bleiben. Diese Aufgabe – gemeinsam mit den kleineren Gesäßmuskeln – kann er nur erfüllen, wenn er ordnungsgemäß funktioniert. Also sich im richtigen Moment anspannt und durch den Antagonisten wieder in die Dehnung gezogen wird. Im Sitzen ist dieser Bereich überstreckt, während der Hüftbeuger (M. Iliopsoas) sich bequem verkürzt. Dessen regelmäßige Pflege besteht aus Dehnung. Dazu müssten wir unsere Sitz-Zeiten erheblich reduzieren.

Fun-fact: Unsere Hunde orientieren sich maßgeblich an der Symmetrie von Schulterlinie und Hüftlinie. Wollen wir also eine klare, gerade Haltung neben unserem Hund, brauchen wir eine funktionierende Gesäßmuskulatur. Ansonsten kippen wir häufig im Becken zu einer Seite ab und unser Oberkörper wirkt zusammengesunken. Wer kennt dieses Bild vom „Schluck Wasser in der Kurve?“ Da steigt das Risiko einer punktuellen Überbelastung erheblich, selbst wenn man nur stolpert, das Hundespielzeug vom Boden aufheben will oder derselbige übermotiviert an der Leine zieht. Und manchmal reicht schon kalter Wind, damit die Muskeln streiken.

 

Erste Hilfe gegen Hexenzauber

Alle guten Vorsätze nutzen natürlich nichts mehr, wenn man fluchend im Bett liegt und nicht mehr weiß, wie man rechtzeitig auf die Toilette kommen soll – geschweige denn, mit dem Hund vor die Tür! Und der Hundeplatz ist jetzt ganz fern.

Glücklicherweise dürfen wir hier gerne zu folgenden Hausmitteln greifen:

  1. Beine in Rückenlage hochlagern 
  2. Wärme in Form von Bettflaschen, Körnerkissen, Rotlicht & Co.
  3. Akupressur / Entspannungsmassage
  4. Sanftes Dehnen und Bewegen – regelmäßig. 

Gerade letzteres kann anfangs fürchterlich schmerzhaft sein – hier raten Sportmediziner sogar zu Schmerzmedikamenten, um nicht in Schonhaltung für noch mehr Fehlbelastung zu sorgen. Keinesfalls sollte man im Bett liegen bleiben: dadurch wird es eher noch schlimmer. Also bewegen, bewegen, bewegen – und sich beim Bewegen Gedanken darüber machen, wo man sich in Zukunft einfach noch mehr bewegen könnte. Und nicht nur auf dem Hundeplatz ...

 

Quellen:

 

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