Doppelte Titelverteidigung geglückt

WDSF Weltmeisterschaft Mondioring 2021

Wenn eine lebensgroße Puppe an einem Seilzug auf dich und deinen Hund zugeflogen kommt, dann bist du auf der WDSF Weltmeisterschaft im Mondioring. „Klein aber fein“ war diese WM in der Covid-Zeit. Ähnlich der FMBB für der Belgischen Schäferhunde wird diese normalerweise in den Disziplinen IGP, Agility, Obedience und Mondioring ausgetragen. Eben nur für Holländische Schäferhunde. Für das Jahr 2021 gab es nur die Titel im Agility und Mondioring zu vergeben.

Am ersten Septemberwochenende hat Richter Jos Helsen, einer der Mitbegründer des Mondioringsports, seiner Kreativität freien Lauf gelassen, um das kleine erlesene Feld mit Teams aus den USA, Kroatien, Spanien und Deutschland zu testen. Unter den insgesamt zwölf Startern waren auch die drei deutschen Teams. Zwei Titelverteidigungen standen an, nachdem Nadine Schöfer und ihr Mann André bei der letzten WM die Kategorien 1 und 3 gewonnen hatten.

Beim Mondioring hat jede Prüfung ein individuelles Thema, welches sich in der Gestaltung des Platzes, aber auch in den Apportiergegenständen oder den Ablenkungselementen widerspiegelt. Der weltmeisterliche Wettstreit im belgischen Bree fand unter dem Motto „Militär“ statt. Und so mussten die Starter bei der Anmeldung durch einen sich öffnenden Schlagbaum gehen und den Hund zwischen zwei „Minen“ ablegen. 

„Der Mondioringsport verlangt viel Flexibilität von Hund und Hundeführer. Keine Prüfung ist wie die andere. Jeder Übungsablauf und auch deren Reihenfolge wird erst kurz vorher vom Richter festgelegt.“, erklärt uns Nadine, was für sie den Reiz an dieser Sportart ausmacht.

Nadine & Chili an der PalisadeNadine Schöfer war mit Didi van Valesca's Home am Start. „Ihr Rufname ist Chili, sie stammt aus den Niederlanden und ist jetzt drei Jahre alt. Sie ist eine kleine Hündin, die ihre Größe aber durch extreme Schnelligkeit und Durchsetzungsvermögen wett macht.“, beschreibt Nadine ihre Hündin. Sie selbst hat schon in der frühen Jugend gelernt, auf ein vorgegebenes Ziel fokussiert zu sein. Als Mitglied im B-Kader des DTB hat sie fast ihre ganze Kindheit und Jugend auf dem Tennisplatz verbracht. Es ist nicht ihr Ding nur zum Spaß auf dem Hundeplatz rumzuhüpfen, sie arbeitet mit ihren Hunden zielorientiert, fair und genau. Es war ihre vierte WDSF WM. Nach ihrem Vizesieg 2018 mit Semtex in der Kategorie 2 und ihrem Titelgewinn 2019 und 2020 mit Jiga und Chili in der Kategorie 1 sollte es gern auch diesmal mit dem Sieg klappen.

Als erste Übung standen die Positionen auf Entfernung auf der Agenda. Nadine legte Chili ab und musste sich dann hinter einem Hindernis mit künstlichem Stacheldraht aufstellen. Im Anschluss musste sie den Hund dorthin auch abrufen, für die gut ausgebildete Hündin natürlich kein Problem. Genau das wird im Training geübt: Immer wieder neue Situationen, Ablenkungen und Hindernisse für die Hunde. Wer Mondioring betreiben will, sollte also Einfallsreichtum an den Tag legen. Für die anschließende Ablage hatte sich Richter Jos Helsen etwas Besonderes einfallen lassen. Mit viel Getöse wurde per Druckluft ein Spielzeug aus einer Kanone 15 Meter weit herausgeschleudert. Auch wenn im Training viele Situationen geübt werden, war diese Versuchung für die erst 3-jährige Chili doch etwas groß. Leider waren damit die Punkte in der Ablage weg. So ist das im Mondioring: Man versucht den Hund auf alles vorzubereiten, aber manchmal kommt dann doch etwas Unerwartetes. Das macht den Sport natürlich besonders reizvoll, aber eben auch anspruchsvoll.

Auch im Schutzdienst konnte Chili auf ganzer Linie punkten, hatte den Homme d'Attaque fest im „Griff“. Unbeeindruckt von der Stockattacke durch Hussein Karim, hat sie souverän ihren Job durchgezogen. Sicherlich eine der anspruchsvollsten Übungen im Mondioring ist die Führerverteidigung, auch Defense genannt. Diese Übung ist für den Hund mental sehr anspruchsvoll, denn er muss gleich zwei Figuranten beobachten, dabei immer im Kontakt mit seinem Hundeführer bleiben und im richtigen Moment den Angriff durchführen. Passend zum Motto „Militär“ musste Nadine in der Defense mit einem Gewehr mit Platzpatronen schießen. Genau in dem Moment, als Figurant Kevin Faes den Angriff startete. Die kleine Herderhündin ließ sich durch die Geräuschkulisse nicht ablenken oder aus der Ruhe bringen und vereitelte blitzschnell ihren Angriff.

Und so setzten sich Nadine und ihre Herder-Dame souverän mit 184 Punkten gegen die vier Mitstreiter der Kategorie 1 durch. Manuela Münch konnte mit Austrian High Spirit Fready Friday wurde ebenfalls in dieser Kategorie Vierte.

Und dann war da noch André Schöfer der mit Speznas in der Königsklasse 3 startete. Als Figurant der heimatlichen Trainingsgruppe ist auch er durch und durch Mondioring begeistert. Mit 337 Punkten konnte er seinen Rüden zum vierten Mal auf das Treppchen der WDSF führen. 2018 waren sie Dritte in der Kategorie 1, 2019 Sieger in Kategorie 2, 2020 Sieger in Kategorie 3 und nun nochmal in der Klasse 3. Herzlichen Glückwunsch!

Andre und Speznas

 

Im Interview mit Nadine Schöfer, die seit 2017 WDSF Ansprechpartner für die Sportarten Obedience und Mondioring ist und seit 2019 auch Vizepräsidentin des weltweiten Zusammenschlusses zur Förderung des Holländischen Schäferhundes.

Sporthund: Herzlichen Glückwunsch zu diesem großartigen Ergebnis, Nadine! Mondioring ist in Deutschland ja noch nicht so bekannt wie IGP oder Agility. Wie bist du dieser Sportart gekommen? 

Nadine: Begonnen habe ich 2011 mit meiner Malinois-Hündin. Eigentlich bin ich zufällig dazu gekommen, denn für den IGP-Sport war diese Hündin nur begrenzt geeignet und ich fand eine tolle Gruppe, die uns damals unterstützt hat. Es war Zufall und Glück.

 

Mondioring mit MaskeSporthund: Auf einer WM startet man ja nicht alle Tage. Wie sah die Trainingsvorbereitung für so ein wichtiges Turnier bei dir aus?

Nadine: Grundsätzlich sind unsere Hunde immer im Training, wir könnten also jederzeit eine Prüfung laufen. Unser Trainingspläne beinhalten aber auch ausreichende Ruhezeiten. Ebenso sind uns Physio- und Konditionseinheiten wichtig. Wir fahren jährlich viele tausend Kilometer zu Trainings, dies wird natürlich vor großen Prüfungen noch einmal etwas intensiviert.

 

Sporthund: Die WDSF Weltmeisterschaft ist eine reine Herder-WM. Du züchtest diese Rasse auch. Erzähl uns doch mal, wieso du dem Herder verfallen bist und was ihn für dich so spannend macht? 

Nadine: Der Holländische Schäferhund tickt ein klein wenig anders als der Malinois, der ja im Mondioring weit verbreitet ist. Er hat oft auch seinen eigenen Kopf, was die Ausbildung nicht so ganz einfach macht. Er will immer wieder überzeugt werden, dass das, was er da gerade tut, sich auch für ihn lohnt. Diese Rasse stellt hohe Ansprüche an den Hundeführer, immer wieder neue Wege in der Ausbildung zu finden und umsetzen – das gefällt mir extrem gut. 

 

Sporthund: Dein Leben dreht sich ja nicht nur in deiner Freizeit um den Hund, sondern auch beruflich: du bist Hundephysiotherapeutin. Hat das Einfluss auf dein Training?

Nadine: Das hat einen großen Einfluss auf unser Training. Jeder unserer Hunde hat sein eigenes, auf ihn abgestimmtes Warm-up und Cool down. Ich plane regelmäßige Checks ein und natürlich auch Konditions- und Stabilisierungseinheiten. Durch meine Kenntnisse in diesem Bereich ist es uns möglich, unsere Hunde umfänglich zu trainieren und ihnen die Regenerationszeiten zu geben, die sie auch brauchen.   

 

so sehen Sieger aus

Sporthund: Wie sieht eure Zukunft aus? Auf welchen Turnieren werden wir euch in Zukunft sehen?

Nadine: Wir haben noch eine Prüfung in den Niederlanden geplant und konnten uns in diesem Jahr für die FCI Mondioring Weltmeisterschaft und die Worldcups in Rumänien qualifizieren. Die FCI Worldcups werden nur in den Kategorien 1 und 2 ausgetragen, hier kann man nicht Weltmeister werden. Die findet im Oktober statt und an dieser nehmen ja alle Rassen teil. Dadurch ist das Startfeld und damit auch die Konkurrenz um einiges größer und internationaler. Unser Ziel ist es dort erstmal zu bestehen und für Deutschland und den Holländischen Schäferhund eine ordentliche Leistung zu zeigen. Danach werden wir noch eine Prüfung im November in Belgien spielen, mit der dann sportliche Saison 2021 zu Ende geht. Für das Frühjahr 2022 planen wir ein weiteres Abenteuer: unseren B-Wurf Holländische Schäferhunde vom Herderclan.

 

Sporthund: Was wünscht du dir für den Mondioringsport in Deutschland und für den Holländischen Schäferhund?

Für den Mondioringsport in Deutschland wünsche ich mir, dass wir in den nächsten Jahren weiter eine gute und solide Arbeit im Sport, aber auch der Funktionsträger sehen können. In diesem Jahr gab es die erste Helferprüfung und für kommendes Jahr wäre es toll, zum ersten Mal eine Deutsche Meisterschaft zu veranstalten und auch mit der Richterausbildung starten zu können.

Für den Holländischen Schäferhund wünsche ich mir, dass er mehr Begeisterte finden kann, nicht nur im Schutzhundesport, sondern auch in allen anderen Hundesportarten. Er ist ein toller sportlicher Begleiter und ich hoffe, dies bleibt auch so.

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